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Burkhard Ihme - Der Burma-Mann: Das Exposé

Der Burma-Mann

Marlin Phillipps ist ein alter Detektiv im heutigen Los Angelos. Seine große Zeit hatte er in den Tagen von Phil Marlow, also zwischen 1945 und 1960. Und in dieser Zeit sind auch die Fälle angesiedelt, an die er sich erinnert, während er den Fall einer verschwundenen Katze zu lösen versucht. Denn er hat alles schon einmal erlebt. Die Fälle und Klienten wechseln, doch die Grundzüge bleiben. Alles wird zur Routine. Aber natürlich war die Routine vor dreißig Jahren viel schöner und spannender.

Marlin Phillipps wird beauftragt, Lord Byron, den verschwundenen Siamkater einer reichen Klientin wiederzufinden. Während er noch verschiedene Recherchen anstellt, erhält seine Klientin eine Lösegeldforderung.

Phillipps begleitet sie zu der geplanten Geldübergabe in einem ehemaligen Fabrikgebäude. Nachdem sie mit dem Lösegeld das Gebäude betreten hat, beobachtet von der Straße aus ein beleuchtetes Fenster, vor dem sich die Schatten eines Mannes und einer Frau abzeichnen. Dann fällt ein Schuß. Als der Detektiv das Zimmer erreicht, findet er dort seine Klientin benommen in einem Sessel liegend, Lord Byron und einen erschossenen Mann, der am Boden liegt. Phillipps ruft die Polizei.

Phillipps durchsucht die Wohnung des Ermordeten Mr. Tracy und wird von einem Besucher überrascht und niedergeschlagen. Als ein zweiter Gast auftaucht, versteckt sich Marlin unter den Dusche und verfolgt anschließend den Mann im Auto. Doch dieser kann ihn abhängen.

In der "Blauen Dahlie" befragt Phillipps Chandler Chase, einen alten Bekannten und Informanten. Von ihm erhält er den Hinweis auf André Salomon. Bei Rückkehr in sein Büro stellt er fest, daß sein Büro durchsucht wurde. Anhand eines alten Fotos seines Aktenschrankes kann er eruieren, welche Akte fehlt: Berichte von einem Job (zusammen mit seiner Sekretärin) für die Paramount Studios mit dem Inhalt "Keine besonderen Vorkommnisse". André Salomon erzählt dem Detektiv, daß Tracy ihm einen Metallkoffer zur Aufbewahrung gegeben hatte, ihn aber wenige Tage vor seinem Tod zurückverlangte. Als Salomon den Koffer in Tracys Wohnung abliefert, hat dieser Damenbesuch. Salomon sieht allerdings nur den Pelzmantel in der Garderobe, nicht die Frau.

Phillipps' Klientin wurde auf Kaution entlassen. Er besucht sie, um ihr ihren Kater zurückzubringen, den er während ihres Gefängnisaufenthaltes versorgt hatte, und um ihr einige Fragen zu stellen. Er erfährt auf diesem Wege, daß er seiner Klientin von einer gewissen Phyllis Dietrichsen empfohlen wurde.

Phyllis Dietrichsen war vor ihrer Heirat mit dem Industriellen Frank Dietrichsen, der nur zwei Jahre nach diesem Ereignis von einem Einbrecher erschossen worden war, Marlin Phillipps Sekretärin gewesen. Der Einbrecher, der nach seiner Tat von Phyllis erschossen wurde, war ein ehemaliger Wachmann der Universal-Studios, der seinerzeit an Patamount ausgeliehen war, um ebenso wie Phillipps und seine Sekretärin die Herstellung eines antikommunistischen Propagandafilms zu gewährleisten. Phyllis hatte ihn mit der Ermordung ihres Mannes beauftragt und später Tracy, der ihre Verbindung zu dem Wachmann entdeckte und sie erpreßte, ermordet. Den Mord wollte sie Phillipps Klientin, seinerzeit die Geliebte ihres Mannes, in die Schuhe stecken. Dies alles kann Phillipps ihr zwar nicht nachweisen, aber ein Tonbandmitschnitt des Gesprächs mit seiner ehemaligen Sekretärin kann seine Klientin entlasten.

Phillipps erzählt uns diese an sich simple Geschichte, aber er schweift dabei ein wenig ab. Denn er berichtet statt der Ereignissen der Gegenwart Fälle, die in der Vergangenheit ganz ähnlich verliefen. So erfahren wir nebenbei auch noch von Jeremiah Eastwood, dessen Panther entführt und ermordet wird, von Roxanne de Havilland, deren Mann verschwunden ist, von Shirley, die einige Gangster beim Drogenhandel beobachtet hat und nun von diesen bedroht wird, und wie Phillipps beim Durchsuchen einer Wohnung einer mächtigen Tracht Prügel durch den Besitzer entgeht.




Szenario
Der Burma-Mann

Die Handlung spielt in verschiedenen Jahren, die graphisch deutlich unterschieden sind (Farben, Aussehen von Marlin Phillipps und Asseçoires wie Schnurrbart oder Brille)

1947
1950
1953
1957
1963
1990

1
Fenster mit heruntergelassenen Jalousien.

2
Der Blick wandert die Wand entlang, an der sich der Schatten der Jalousie als Streifen abzeichnet.

3
Eine Glastür mit der Aufschrift "Marlin Philipps. Private Investigator" (seitenverkehrt) rückt ins Blickfeld.

4
Die Tür öffnet sich.

5
Eine Frau betritt das Zimmer. Elegantes Modellkleid nach der neuesten Mode (1947), lange kastanienbraune Haare, rotgeschminkter Mund. Ein Traum von einer Frau.
Klientin: Mr. Philipps?

6
Gegenschuß auf den Detektiv, der an seinem Schreibtisch sitzt, Pfeife raucht und eine Schachpartie nachspielt. Ein Mann Anfang dreißig in einem nicht ganz neuen Anzug. Unter dem geöffneten Jacket sieht man ein Schulterhalfter.
Philipps: Nehmen Sie Platz.

7
Die Klientin nimmt auf einem nicht allzu bequem aussehenden Rohrsessel vor dem Schreibtisch Platz.

8
Sie kramt aus ihrer Handtasche ein Päckchen Zigaretten.

9
Sie zündet sich eine Zigarette an.

10
Klientin: Sie müssen meinen Mann finden!

11
Philipps: Name?

12
Klientin: Roxanne.

13
Philipps hüllt sich in eine Rauchwolke.

14
Der Blick wandert vom Gesicht des Detektivs zu der hinter ihm liegenden Wand, an der ein Kalender hängt.
Philipps: Und der Name des Vermißten?


15
Vom Kalender schweift der Blick zur Decke, von der ein alter Fliegenfänger baumelt.
Klientin: Lord Byron. Er heißt Lord Byron.

16
Eine unsagbar häßliche Deckenlampe.
Philipps: Ihr Mann ist Engländer?

17
Klientin (eine nicht ganz so häßliche dickliche Dame in den Sechzigern): Siamese. Lord Byron ist ein Siam-Kater!

18
Philipps (ein verknautschter, immer noch Pfeife rauchender Mann von über siebzig): Ah, natürlich. Alter?

19
Totale Büro, das sich seit der ersten Einstellung in nur wenigen Details verändert hat. Neu ist der Fernseher auf dem Schreibtisch und ein Aquarium in einem System-Regal, das ansonsten mit Aktenordnern vollgestopft ist.
Ein Routinefall.

20
Philipps verabschiedet seine Klientin.
Es sind meistens Routinefälle.

21
Philipps schließt die Tür hinter seiner Klientin.
Und es kommt eine Menge Routine zusammen in 46 Berufsjahren.

22
Wieder schweift der Blick von der Glastür weg auf die Bürowand, von der verschiedentlich der Putz abblättert.
46 Jahre Berufserfahrung und alle 8 Jahre ein neuer Anstrich. Was tut man nicht alles, um Eindruck auf die Kundschaft zu machen. Sogar eine Sekretärin hatte ich.

23
Man sieht das Büro nach einem neuen Anstrich. In der Ecke steht noch eine Leiter, daneben einige Farbkübel. Der Schreibtisch ist mit Laken verhängt. Hinter einem zweiten Tisch sitzt eine junge blonde Frau an der Schreibmaschine.
Sie hieß Linda und war unsterblich in mich verliebt. Oder ich in sie? Sie heiratete 1959 Frank Dietrichson, einen rothaarigen Käsefabrikanten.

24
Philipps (ein drahtiger Enddreißiger) betritt das Büro.
Linda: Gordon Dexter hat angerufen. Er meint, Clive Reardon könnte dir etwas über den Eastwood-Fall erzählen.

25
Philipps setzt hinter den Schreibtisch und schiebt das Laken ein Stück beiseite.
Jeremiah Eastwood war Geschäftsmann. Sein kostbarster Besitz waren ein schwarzer Panther und Elsie Marina, die Schauspielerin.
Philipps: Gib Gordon fünf Dollar, wenn er reinschaut. Und nicht mehr als einen Bourbon. Ich betreibe keinen Schnapsladen.

26
Philipps gießt sich einen Whisky ein..
Gordon war mein bester Informant, aber auch ein großer Säufer. Immerhin, wenn er sagte, Clive Reardon könnte mir weiterhelfen, war der Tip es wert, daß man ihm nachging.

27
Philipps legt die Bourbon-Flasche zurück in die Schublade.
Schließlich wurde nicht jeden Tag ein ausgewachsener Panther mit Brillanthalsband entführt. Nicht einmal in Hollywood.

28
Philipps steht auf und gibt Linda einen Klaps.
Und nicht einmal 1953.
Philipps: Wenn Reardon hier auftauchen sollte, fessle ihn an den Aktenschrank. Und laß dich nicht mit der Polizei ein, während ich weg bin!

29
Philipps verläßt das Büro.
Dabei passierte 1953 in Hollywood eine ganze Menge. Sogar Filme wurden gedreht.

30
Hollywood-Zeichen am Mount Lee.
Welcher Verdienst daran Clive Reardon zukam, mag ich nicht beurteilen. Er arbeitete als Pfleger für den Trainer von Mister Bastard, dem Wunderhund.

31
Reardon steht in einem Zwinger und läßt Mister Bastard nach einem Knochen springen.
Reardon: Das ist eine komische Sache, Mister. Eastwood wollte, daß wir seinen Panther trainieren. Er dachte, da wäre eine Menge Kohle beim Film zu holen. Aber das Biest war tückisch wie eine Klapperschlange.

32
Reardon: Kein Produzent würde sowas auf seine Schauspieler loslassen. Das haben wir Eastwood auch gesagt. Da ist er beleidigt abgezogen.

33
Philipps ist im Gehen. Reardon ruft ihm nach.
Reardon: Ach, noch was. Das Vieh war hoch versichert. Zweihunderttausend Dollar, ohne Halsband.

34
Eine dunkle Seitengasse im Chinesenviertel. Schaulustige und Polizei umstehen den makaberen Fund in einer der vollen Mülltonnen.
Lord Byron war nicht hoch versichert. Sonst hätte er vielleicht so geendet wie Jeremiah Eastwoods Panther.

35
Ein ziviler Polizeibeamter: Ich habe dir gleich Bescheid gesagt. Willst du Eastwood die frohe Botschaft überbringen?

36
Halbnahaufnahme des toten Tieres.
Aber wie zuverlässige Gerüchte besagten, hatte meine Klientin ihn als Alleinerben eingesetzt.
Philipps: Wenn ich Eastwood besuche, dann nur, um ihm meine Rechnung zu präsentieren. Dieser Fall schreit geradezu nach Vorauszahlung.


37
Philipps sitzt in seinem Büro am Schreibtisch. Das Telefon klingelt.
Das konnte bei einer übelnehmenden Verwandtschaft leicht zu ähnlichen Ergebnissen führen.

38
Philipps nimmt den Hörer ab. Es ist, wenn wir richtig vermuten, seine Klientin im Fall Lord Byron.
Klientin: Ich habe soeben eine Lösegeldforderung für Lord Byron erhalten. Der Brief lag im Briefkasten, als ich nach Hause kam.

39
Philipps mit Hut im Regen.
Für einen Erben von 2,8 Millionen Dollar waren 20 Riesen ein fast bescheidenes Lösegeld, selbst wenn man bedenkt, daß Lord Byron nur eine Katze war.

40
Wegfahrt. Philipps steht Nachts im Trenchcoat in eine Mauernische gedrückt und beobachtet das gegenüberliegende Haus.
Das Geld sollte hier in einer TWA-Reisetasche übergeben werden. Der Entführer verlangte ausdrücklich, daß meine Klientin ihm die Tasche überreichen sollte. Die Geschichte gefiel mir nicht.

41
Der Blick wandert die Gebäude der geschlossenen Häuserzeile ab.
Es gibt Detektive, bei denen juckt das linke Ohr, zuckt das rechte Augenlid oder macht eine alte Schußwunde sich bemerkbar, wenn sie in eine Falle laufen.

42
Totale des gegenüberliegenden Hauses, eines zum Abbruch bestimmten ehemaligen Fabrikgebäudes.
Mir juckte, zuckte und schmerzte nichts. Ich verließ mich auf meine Erfahrung aus 46 Berufsjahren.

43
Halbtotale des Hauses.
Denn es sind immer wieder dieselben Situationen, in die man gerät. Nur das Wetter war diesmal noch schlechter als sonst.

44
Halbnah: Fenster, hinter dem sich die Schatten zweier Menschen abzeichnen.
Ich hatte Ramon de Havilland in einer heruntergekommenen Absteige ausfindig gemacht. Er war Alkoholiker.

45
Nah: Fenster. Schatten einer Frau mit auffälligem Hut.
Er erklärte sich zu einem Gespräch mit seiner Frau bereit. In seinem Hotelzimmer und unter vier Augen..

46
Ganznah: Fenster. Schatten eines Mannes.
Ich begleitete Roxanne zu dem Treffen, wartete aber im Hof auf den Ausgang des Gesprächs.

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Schatten einer Hand mit Pistole.

48
Gesicht von Philipps, als der Schuß fällt.

49
Philipps läuft aus dem Hof zum Eingang der Absteige.

50
Er betritt das schäbige Hotel, vor dessen Eingang Philipps` Wagen und ein schwarzer Cadillac abgestellt sind.

51
Der Mann an der Rezeption, der über seiner Flasche Fusel eingeschlafen war, ist durch den Schuß erwacht und schaut verdutzt dem Detektiv nach, der die Treppe hinaufläuft.

52
Philipps erreicht das Hotelzimmer von Ramon de Havilland.

53
Er reißt die Türe auf. (Blick von vorne.)

54
Fast leeres Zimmer in Fabrikgebäude. Philipps Klientin liegt benommen in einem alten Sessel, neben ihr die rauchende Pistole. Ein hagerer Mittvierziger liegt wenige Meter von ihr entfernt auf dem Boden, einen blutigroten Fleck auf der Hemdbrust. Lord Byron steht auf seinem Bauch und schaut ihm interessiert ins zerkratzte Gesicht.
Es waren zwei Treppen weniger, trotzdem brauchte ich länger, dieses mal.

55
Nahaufnahme: Roxanne de Havilland kommt zu sich.
Roxanne: Was ist passiert?

56
Philipps hilft ihr auf die Beine.
Philipps: Sie haben soeben Ihren Mann erschossen.

57
Roxanne schaut entsetzt auf die Leiche.
Roxanne: Ich habe nicht geschossen.

58
Philipps: Das können Sie Ihrer Großmutter erzählen. Sie waren hier allein mit Ihrem Mann, als der Schuß fiel.

59
Roxanne
: Das ist nicht Ramon. Ich habe den Mann noch nie in meinem Leben gesehen!

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Philipps und Roxanne verlassen das Hotel durch den Hinterausgang.
Das änderte natürlich die Lage.

61
Sie laufen zu Philipps` Wagen.
Und ich beschloß, mir eine Brille zu kaufen.

62
Als sie starten folgt ihnen der Cadillac mit abgeblendeten Lichtern.

63
Philipps: Also, was ist passiert?

64
Roxanne: Als ich das Zimmer betrat, war da... dieser Mann! Er wollte wissen, wo Ramon ist und wo er das Geld versteckt hat.

65
Philipps: Welches Geld?
Roxanne: Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht wo Ramon ist. Sie sagten doch, er wäre in dem Hotelzimmer.

66
Philipps: Da war er auch, als ich mit ihm sprach. Wer hat geschossen?

67
Roxanne: Ich.. ich weiß es nicht. Der Mann schlug mich, da fiel ich hin und verlor das Bewußtsein.

68
Philipps entdeckt im Rückspiegel den Cadillac.

69
Philipps: Wir werden verfolgt!
Roxanne: Die Polizei! Sie werden glauben, ich hätte geschossen...

70
Philipps: Egal, wer es ist, erst muß er uns kriegen.

71
Philipps beschleunigt. Der Cadillac hält den Abstand.

72
Philipps: Er ist hartnäckig. Dann wollen wir mal sehen, ob er auch Rallye fahren kann.

73
Der Detektiv reißt das Steuer herum und dirigiert den Wagen in eine Seitenstraße.

74
Der Cadillac folgt. Wieder biegt Philipps ab.

75
Roxanne: Er ist immer noch hinter uns!

76
Der Cadillac setzt zum Überholen an.

77
Als die Limousine auf gleicher Höhe, biegt Philipps scharf rechts ab.

78
Der Cadillac kann dem Manöver nicht folgen.

79
Roxanne: Wir haben ihn abgeschüttelt.

80
In diesem Moment kommt der Cadillac aus einer Seitenstraße geschossen.

81
Als der schwarze Wagen wieder auf gleicher Höhe ist, beugt sich der Beifahrer aus dem Fenster. Er hält eine Pistole in der Hand.
Beifahrer: Fahr sofort rechts ran!

82
Philipps: Was wollt ihr Clowns von uns?
Beifahrer: Nichts von dir, du Großmaul. Uns interessiert nur die Puppe!

83
Philipps zieht seinen Wagen nach links, touchiert den Cadillac und klemmt das Handgelenk des Beifahrers ein.
Beifahrer: Aaaahhh!

84
Beifahrer: Er hat mir das Handgelenk gebrochen! Dieser Bastard hat mir das Handgelenk gebrochen!

85
Die beiden Fahrzeuge rasen mit hoher Geschwindigkeit nebeneinander her.
Roxanne: Sie werden uns alle umbringen!

86
Philipps: Soll das eine Kritik an meinem Fahrstil sein?

87
Die Straße verengt sich und führt auf eine einspurige Brücke zu.
Beifahrer: Feg das Arschloch endlich von der Straße!

88
Die Kotflügel der Fahrzeuge verbiegen sich unter dem Druck, die Reifen qualmen durch die Reibung am Metall.

89
Philipps reißt zwanzig Meter vor der Brücke den Wagen nach rechts und steigt in die Bremse.

90
Der Cadillac hat keinen Gegendruck mehr und schießt ebenfalls nach rechts.
Fahrer: Verdammter Bastard!

91
Der Fahrer schafft es nicht mehr, den Wagen auf die Fahrspur zu dirigieren. Er rammt mit dem linken Kotflügel den rechten Brückenpfeiler.

92
Der Cadillac wird auf die Seite geworfen und schießt in Schräglage über die Uferböschung.

93
Gegenschuß auf den Wagen, der in hohem Bogen in den Fluß stürzt.

94
Aufprall des Wagens.

95
Der Cadillac versinkt sofort in den Fluten.

96
Philipps lenkt seinen Wagen auf die Brücke.
Ich fuhr mit Roxanne de Havilland zu einem kleinen Motel in der Nähe von Bay City.

97
Der Wagen überquert die Brücke.
Am nächsten Morgen brachte ich sie zur de Havilland-Villa Sie wollte Kleider und einige persönliche Dinge abholen. Die Polizei erwartete sie bereits.

98
Polizeibeamte in Zivil und Uniform stehen vor der Auffahrt zur Villa.
In einem ausgebrannten Hotelzimmer war eine verstümmelte Leiche gefunden worden. Der Portier hatte auf einem Foto de Havillands den Mann wiedererkannt, der sich unter falschem Namen bei ihm eingetragen hatte.

99
Roxanne de Havilland im Leichenschauhaus vor der Leiche aus dem Hotelzimmer (Froschperspektive). Die Füße ragen unter dem Leintuch hervor.
Roxanne identifizierte die Leiche als die ihres Mannes, Ramon de Havilland.


100
Füße der Leiche im Fabrikgebäude.

101
Philipps steht neben ihr und hält Lord Byron am Wickel, im Hintergrund liegt seine immer noch benommene Klientin im Sessel.
Dieses mal rief ich von einer nahe gelegen Telefonzelle die Polizei an.

102
Nahaufnahme des hageren Mannes mit zerkratztem Gesicht.

103
Ein Angestellter der Leichenhalle zieht ein Leintuch über eine aufgebahrte Leiche. Der zivile Polizeibeamte, der schon den Panther entdeckt hat, steht neben Philipps im Leichenschauhaus.
Polizeibeamter: Kein schöner Anblick.

104
Sie verlassen die Leichenhalle.
Ich werde mich wahrscheinlich nie daran gewöhnen.
Philipps: Konnte er identifiziert werden?

105
Philipps und der Beamte gehen den Korridor der Gerichtsmedizin entlang.
Polizeibeamter: Keine Papiere, kein Gesicht mehr, nur Fingerabdrücke. Freeman Carter, 45, Pressefotograf. Im Krieg war er beim Meldetrupp.

106
Philipps
: Es war der Panther?

107
Polizeibeamter: Oder ein anderes Raubtier. Das Ergebnis der Spurensicherung liegt noch nicht vor.


108
Philipps durchsucht eine ziemlich unaufgeräumte Wohnung.
Seitdem hasse ich Katzen. Und meine Gefühle wurden nicht freundschaftlicher, nachdem Lord Byron meine Guppys gefressen hatte.

109
Er durchwühlt die Schränke und Schubladen.
Ich hätte ihn nicht allein im Büro lassen sollen. Aber ich konnte ihn schlecht in Tracys Wohnung mitnehmen.

110
Philipps inspiziert die Küche.
Tracy war nicht vorbestraft, auch nicht wegen des Entführens von Siamkatzen. Er schien ohnehin meine Einstellung zu diesen Tieren zu teilen.

111
Er schaut in den Abfalleimer.
Ich fand kein Katzenfutter, auch keine Guppys.

112
Er schaut in die Besenkammer.
In 46 Berufsjahren habe ich hunderte von Wohnungen gefilzt.

113
Philipps sucht im Schlafzimmer weiter.
Mein Schlafzimmer habe ich einmal drei Tage lang nach meinen Manschettenknöpfen durchsucht. Aber ich finde immer, was ich suche.

114
In der Toilette mit Waschbecken und Duschnische. An der Toilettentür ein Zirkusplakat mit Raubtieren.
Leider wußte ich diesmal nicht, nach was ich suchte.

115
Kleines Bild: Türklinke.
So ging es mir auch im Fall Jackson. Das war 1962 oder 63.

116
Türklinke bewegt sich.
Ich weiß nicht mal mehr, um was es ging.

117
Ein großer kräftiger Mann betritt die Wohnung.
Und was zum Teufel auch immer ich suchte, ich hatte es noch nicht gefunden.

118
Philipps (ein Mittvieriger) steht vor dem gleichen Zirkusplakat. Er durchsucht ein Medizinschränkchen.
Da kam der überraschende Besuch denkbar ungelegen.

119
Der Riese reißt die Tür zur Toilette auf.
Riese: Was machst du hier?

120
Philipps: Das sehen Sie doch! Ich suche ein Aspirin.

121
Der Riese schaut verdutzt.
Riese: Haben wir nicht!

122
Philipps sucht weiter im Badezimmer herum.
Philipps
: Oder ein Pyramidol? Permentolhydrid? Bronchialkatarrh?
Der Riese verliert vollends seine drohende Haltung.
Riese: Wovon redest du? Ich versteh kein Wort.

123
Philipps: Ich rede von Kopfschmerzen! Von schrecklichen Kopfschmerzen, daß mir fast der Kopf platzt...

124
Der Riese wird wieder böse.
Riese: Du willst mich verarschen, ja? Gleich hast du Kopfschmerzen, daß du nicht weißt, wer du bist!

125
Philipps hält sich den Kopf und geht an dem Riesen vorbei ins Wohnzimmer.
Philipps: Ich glaube, Sie verstehen mich wirklich nicht. Sie sind wohl von der Liga der Antialkoholiker!
Riese: Der was?!

126
Philipps: Sie haben noch nie einen Kater gehabt. Sie wissen nicht, wie man sich fühlt, wenn man am Abend gefeiert hat und einem am nächsten Morgen der Kopf platzt.

127
Ein verstehendes Lächeln gleitet über das Gesicht des Riesen.
Riese: Ich soll das nicht kennen, Mann?! Ich hab schon mit vierzehn gesoffen wie ein Erwachsener. Unsere ganze Küche hab ich vollgekotzt!
Philipps: Und da wollen Sie mir das Aspirin vorenthalten? Sie sind ein Unmensch.

128
Riese: Ich hab kein Aspidings. Aber um die Ecke ist ein Drugstore. Vielleicht...

129
Philipps: Sie sind mein Retter! Sie könnten nicht eventuell für mich...? Nein, ich seh schon, ich muß selber gehen.

130
Riese ruft Philipps im Treppenhaus nach.
Riese: Wenn du aus dem Haus kommst, gleich rechts und dann wieder rechts. Gute Besserung!

131
Philipps ist schon an der Haustür, da bekommt der Riese Bedenken.
Riese: Übrigens, wie bist du in meine Wohnung gekommen?!

132
Philipps liegt mit blutender Nase in der Toilette.
Mein jetziger Besucher besaß keinerlei menschliches Mitgefühl. Er war nicht einmal der Wohnungsbesitzer.

133
Er rappelt sich hoch.
Genau wie ich hatte er etwas gesucht. Und genau wie ich hatte er nichts gefunden. Aber er wußte wenigstens, wonach er suchte.

134
Philipps wäscht sich das Gesicht.
Leider hatte ich keine Gelegenheit gefunden, ihn zu fragen, was das war.

135
Ein Geräusch an der Wohnungstür läßt Philipps den Kopf wenden.
Dieser Tracy schien eine Menge Bekannte zu haben. Ich verzichtete diesmal darauf, mich vorzustellen.

136
Duschkopf im Detail. Die Brause tropft.
Der zweite Besucher war sehr gründlich. Fast anderthalb Stunden durchsuchte er Tracys Apartment.

137
Philipps, mittlerweile ziemlich durchnäßt, steht unter der Dusche hinter dem Duschvorhang versteckt.
Zum Glück wollte er nach dieser harten körperlichen Arbeit nicht auch noch duschen.

138
Philipps verläßt das Haus, vor dem gerade ein alter Lieferwagen abfährt.
Dabei hätte ich ihm bestätigen können, daß eine kalte Dusche sehr erfrischend sein kann.

139
Philipps hängt sich mit dem seinem uralten Pontiac Baujahr 1957 hinter den Lieferwagen.
Von der belebenden Wirkung auf die Blase ganz zu schweigen.

140
Der Lieferwagen biegt ab. Philipps folgt.
Doch davon ist in Detektivromanen nie die Rede. Überhaupt Observationen. Da könnte ich Geschichten erzählen...

141
Philipps sitzt im Auto, ein älteres, dafür besser erhaltenes Beispiel amerikanischen Automobildesigns.
Ich hatte Freeman Carters Wohnung bereits 6 Stunden beobachtet, als dieser bärtige Riese auftauchte.

142
Philipps verfolgt einen vor ihm fahrenden Wagen.
Er war nicht nur ganz offensichtlich Kommunist 1953 waren alle Bartträger Kommunisten und alle Kommunisten Bartträger.

143
Sie halten an einer Ampel.
Zusätzlich verdächtig machte ihn die Tatsache, daß er Carters Wohnung betrat und kurz darauf mit einem Koffer verließ.

144
Philipps setzt seinen Wagen auf der zweiten Spur neben den blauen Chevrolet und schaut zu dem Bärtigen hinüber.
Ich hatte über sechs Stunden nichts gegessen und mein Magen knurrte wie Marlon Brando.

145
Die Ampel springt auf grün.
Damals gab es noch nicht McDonalds an jeder Ecke .

146
Philipps ordnet sich wieder hinter dem Chevrolet ein.
Dieser Tatsache verdanke ich heute vielleicht mein hohes Alter.

147
Der Chevrolet biegt in eine Auffahrt.
Doch damals wußte ich das noch nicht recht zu würdigen.

148
Philipps hält wenige Meter hinter der Auffahrt.
Was ich aber durchaus zu würdigen wußte, waren Entdeckungen dieser Art.

149
Philipps steigt aus dem Wagen.
Als der Chevrolet das Gelände wieder verließ, brach ich die Observierung ab.

150
Er lehnt sich auf seinen Wagendach und schaut zu dem Bungalow hinter der Auffahrt hinüber.
Ich hatte die Wagennummer und das genügte mir im Moment. Auf Lieutenant Morrison vom 12. Revier hatte ich mich bisher immer verlassen können.

151
Der blaue Chevrolet fährt beim Verlassen des Geländes an ihm vorbei.
Doch jetzt hatte ich mit Jeremiah Eastwood ein paar ernste Worte zu reden.

152
Philipps fährt in seinem Pontiac immer noch hinter dem Lieferwagen.
"Mein lieber Mister Philipps, so schnell hatte ich Sie gar nicht erwartet. Erst vor zwei Minuten habe ich Ihr Büro angerufen."

153
Der Lieferwagen fährt überraschend in eine Tiefgarage.
"Man hat versucht, mich zu erpressen. Ich soll 100 000 Dollar zahlen, andernfalls werden der Versicherung Dokumente zugespielt, die mich als Drahtzieher der Entführung belasten."

154
Philipps folgt ihm.
,Selbstverständlich sind das völlig haltlose Beschuldigungen."

155
Als er die Parkebene erreicht, ist der Lieferwagen verschwunden.

156
Dann sieht Philipps den Lieferwagen auf einer von hier nicht zugänglichen Ausfahrt das Parkhaus verlassen.
Möglicherweise ist mein 1957er Pontiac doch auffälliger, als er das noch vor dreißig Jahren war.

157
Philipps pinkelt im Parkhaus an einen Betonpfeiler.
Doch ein Detektiv muß auch seinen Mißerfolgen etwas Positives abgewinnen können.

158
Philipps parkt seinen Wagen vor einem heruntergekommenen Lokal.
Lieutenant Morrison war vor 22 Jahren pensioniert worden, und Gordon Dexter hatte sich 1963 um die letzten Reste seines Verstandes gesoffen.

159
Er betritt das Lokal.
Gute Informanten sind schwer zu finden. Gordon hatte ich nie vollwertig ersetzen können.

160
Totale eines Nobelschuppens. Bühne, Tanzorchester, runde Tische mit langen Tischdecken und Zimmerschmuck.
Man erzählt sich, daß Chandler Chase die "Blaue Dahlie" nie verlassen hat. Ich habe diese Geschichte nie geglaubt.

161
Young Philipps geht durch den Raum. Eine Sängerin singt "As Time goes bye".
Heute bin ich mir nicht mehr so sicher. Man hat aus der "Blauen Dahlie" zur Hälfte ein Porno-Kino gemacht, der Rest ist heute eine schäbige Kneipe mit Spielautomaten und Billardtischen. Aber Chandler Chase ist immer noch da.

162
Philipps setzt sich zu Chandler und dessen Begleiterin an den Tisch.
Doch damals war die "Dahlie" ein berühmter Prominententreff. Man war nie davor sicher, Ginger Rogers oder Adolphe Menjou über den Weg zu laufen.

163
Ich hatte Glück. Chandlers Begleitung war nicht Ginger Rogers.
Chandler: Hallo, Marlin. Darf ich dir Shirley vorstellen. Sie ist beim Film.

164
Diese Eröffnung sollte wohl mehr Eindruck auf mich machen, als ich beim besten Willen heucheln konnte. Aber ich gab mir Mühe.
Chandler: Das ist auch der Grund, warum ich dich kommen ließ. Shirley hat Schwierigkeiten.
Philipps: Sollte sie da nicht besser zu Lee Strasberg gehen?

165
Chandler: Ich meine es ernst. Da sind ein paar ziemlich miese Typen, die Shirley bedroht haben.

166
Philipps: Und was wollen sie von ihr? Die Mitgliederliste der Kommunistischen Partei?

167
Chandler: Darüber macht man keine Witze. Sonst bist du schnell deine Lizenz los!
Philipps: Was ist nun, willst du meine Hilfe oder mich bei Joe McCarthy verpfeifen?

168
Shirley: Sie müssen mir helfen, Mr. Philipps! Ich habe schreckliche Angst.


169
Ziemlich schäbige Kneipe. An der Wand Spielautomaten, im hinteren Teil des Raumes Billardtische. Die "Blaue Dahlie" hat sich wirklich nicht zu ihrem Vorteil verändert. Chandler Chase lehnt an der Bar. Old Philipps steht neben ihm.
Philipps: Ich hab dir damals geholfen. Jetzt kannst du mir mal einen Gefallen tun.

170
Chandler: Geholfen? Dieses Flittchen hat mich nach drei Wochen sitzen lassen. Und beim Film war sie auch nicht! Nackttänzerin in irgend so einem miesen Schuppen, das war sie.
Philipps zeigt Chandler ein Foto.

171
Philipps
: Dieser Typ wohnte hier ganz in der Nähe. Hast du ihn schon mal gesehen, und mit wem war zusammen?

172
Philipps schließt sein Büro auf.
Ich hatte damals für Chandler Chase mein Leben riskiert. Gemessen daran überschlug er sich jetzt nicht gerade vor Dankbarkeit.

173
Das Büro sieht ziemlich verwüstet aus. Das Aquarium ist umgeworfen, die Akten liegen auf dem Boden vor dem Regal, und auf dem Stapel sitzt Lord Byron.
Immerhin war er noch mit einem recht brauchbaren Tip herausgerückt.

174
Philipps packt Lord Byron.
Doch jetzt riskierte jemand ganz anderes sein Leben.

175
Er hält ihn mit gestreckten Armen in Augenhöhe.
Dies war bereits die dritte Verwüstung meiner Büroräume.
Philipps: Es gibt zwei Gründe, warum ich dich nicht auf der Stelle erwürge: erstens gehörst du einer Klientin, zweitens erbst du mal 2,8 Millionen Dollar. Straffreiheit gibt es aber erst ab 4 Millionen.

176
Philipps sperrt den Kater in eine Schreibtischschublade.
1972 war es einem illegalen mexikanischen Einwanderer gelungen, das gesamte Stockwerk über meinem Büro unter Wasser zu setzen.
Philipps: Ich verurteile dich deshalb zu verschärfter Dunkelhaft. Die Strafe ist unverzüglich anzutreten.

177
Da er zu diesem Zweck die Bourbon-Flasche dieser Schublade entnehmen mußte, gießt er sich gleich ein Glas ein.
Und 1947 demonstrierten mir einige Mitarbeiter der Bühnenarbeiter-Gewerkschaft, was sie sich unter moderner Innenarchitektur vorstellten.

178
Einige bullige Schlägertypen stellen das Büro auf den Kopf, reißen alle Akten aus den Schränken (allzu viele sind es 1947 noch nicht). Young Philipps sitzt gefesselt auf seinem Schreibtischstuhl.
Ich durfte den, zugestandenermaßen radikalen, Umbaumaßnahmen sogar beiwohnen.

179
Der Anführer des Bautrupps baut sich vor Philipps auf.
Anführer: Das wäre alles nicht nötig gewesen, wenn du uns gleich gesagt hättest, wo sich Ramon de Havilland versteckt!
Philipps: Und, wißt ihr es jetzt?

180
Der Anführer versetzt Philipps einen Schlag mit dem Handrücken.

181
Dann stützt er sich mit beiden Armen auf die Seitenlehnen des Schreibtischstuhls und beugt sich vor.
Anführer: Noch mal in aller Freundschaft: wo steckt der Kerl?

182
Philipps: Wenn deine Innendekorateure die Akten gelesen hätten, statt mit ihnen zu werfen, wüßten sie, daß ich keine Ahnung habe. Er war verschwunden, als ich mit seiner Frau in dem Hotel auftauchte. Ich nehme an, ihr habt ihn verscheucht.

183
Anführer: Gut. Nehmen wir mal an, wir glauben dir. Und nehmen wir mal an, du findest den Kerl. Dann wirst du uns doch sicher sagen wollen, wo.

184
Philipps: Ramon de Havilland ist tot. Warum sollte ich ihn suchen?

185
Anführer: Du weißt so gut wie wir, daß der Tote im Hotel einer unsrer Jungs war. Diese Schlange hat ihn erschossen!

186
Philipps: Roxanne de Havilland? Warst du dabei?

187
Anführer: Er hat sich nicht selber erschossen, das steht schon mal fest. Wir haben vor dem Hotel gewartet, genau wie du. Bleiben der Portier und die Lady.

188
Philipps: Und zehn weitere Hotelgäste. Das ist also kein Beweis.


189
Philipps sitzt an seinem Schreibtisch. Die Bourbon-Flasche ist um einige Fingerbreit leerer.
Mir kam da so eine Idee. Doch davon erzählte ich meinem neuen Auftraggeber nichts.

190
Blick auf Philipps Schreibtisch, auf dem ein Schachbrett mit einer begonnenen Partie steht.
Ich bin schon auf außergewöhnlichere Weise angeworben worden. Und Roxanne de Havilland hätte mir den entstandenen Schaden sicher nicht bezahlt.

191
Nahaufnahme Schachbrett.

192
Philipps nimmt einen Bauer und setzt in ein Feld zurück.
Ich nahm mir vor, Lord Byron mit einer Extraportion Guppys für erlittenes Unrecht zu entschädigen.

193
Philipps steht vor dem Haufen aus dem Regal gestürzter Aktenordner.
Daß Katzen ein Büro verwüsten, ist denkbar. Schachspielende Katzen dagegen waren mir in 46 Berufsjahren nicht untergekommen. Und ich rechnete auch in Zukunft nicht ernstlich damit.

194
Er fängt an, die Ordner aufzusammeln.
Wer hatte unbemerkt in mein Büro eindringen können? Und was hatte der Eindringling gesucht?

195
Philipps stellt Ordner ins Regal.
Die Akten der aktuellen Fälle waren unberührt, soweit ich das überblicken konnte. Doch ein ausgeklügeltes Ablagesystem machte es mir unmöglich, festzustellen, ob ältere Akten fehlten.

196
Aus einer Akte fallen mehrere Fotos.
Philipps: Hoppla!

197
Philipps betrachtet die Fotos.
Zu meinem 14. Geburtstag bekam ich ein Fotoalbum geschenkt. Ich habe es gegen Zigarettenfotos von Lou Gehrig eingetauscht.

198
Foto 1: Philipps im Trenchcoat und mit Pfeife, im Hintergrund Monument Valley.
Ich bekam nie wieder ein Fotoalbum geschenkt.

199
Foto 2: Linda mit Bräutigam und Philipps als Brautführer.
Meine wenigen privaten Fotos bewahrte ich unter W auf. Ich erwähnte bereits mein Ablagesystem.

200
Foto 3: Eine junge Dame vor dem Aktenregal (Systemregal mit Aquarium).
Der einzige Vorteil: Ich hatte seit 15 Jahren nichts umgeräumt. Die junge Dame ist übrigens meine Nichte.

201
Philipps steht mit gezogenem Revolver mitten im Dschungel.
Frank Slaughter hatte in Birma ziemlichen Ärger mit einem General der chinesischen Invasionstruppen.

202
Ein anderer Blickwinkel zeigt, daß Philipps in einer unbeleuchteten Filmdekoration steht.
Birma lag in den Paramount-Studios.

203
Philipps durchsucht auch die Rückseite der Dekoration.
Der Produzent, John Houseman, hatte mich für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen verpflichtet.

204
Stößt fast mit Linda, seiner Sekretärin, zusammen. Beinahe kommt zum Showdown.
Senator McCarthy war tot, aber sein Geist lebte weiter.

205
Der Detektiv und seine Assistentin senken die Waffen.
Immerhin hatte mir das einen gutbezahlten Job eingebracht.
Linda: Keine kommunistischen Agenten auf der Damentoilette.
Philipps: Wenn ich um etwas mehr Seriosität bitten darf. Wir arbeiten für die Regierung.

206
Linda: Im Ernst? Für die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika?
Philipps: Nicht direkt. Aber glaubst du, so einen Film dreht jemand freiwillig?

207
Blick von oben. Die Filmcrew betritt den Set.
Es war wirklich kein Kunststück.

208
Die Beleuchter richten die Scheinwerfer.
Mit Hilfe der Fotografie war es ein leichtes, die fehlende Akte zu ermitteln.

209
Der Kameramann gibt Anweisungen an den Operator.
"Akte Frank Slaughter". Ein kleiner Scherz von Linda. Es gab keinen Frank Slaughter.

210
Der Regisseur zeigt den Schauspielern die Markierungen für ihre Positionen.
Die Akte enthielt auf über vierzig Seiten detaillierte Rechenschafts-Berichte, die mit "Keine besonderen Vorkommnisse" sehr treffend zusammengefaßt werden könnten.

211
Assistent schlägt die Klappe: The Burma Man 29/II 1.
Es war jetzt Zeit, Chandlers Hinweis nachzugehen.

212
Ein älterer Herr mit altmodischer Fliegerkappe bastelt an einem Korb herum.
Wie er vorausgesagt hatte, traf ich André Salomon in seiner Scheune an, wo er mit letzten Vorbereitungen beschäftigt war.

213
Philipps muß mit Hand anlegen und Salomon bei einigen Handgriffen helfen.
Es war nicht schwer, ihn zum reden zu bringen.

214
Salomon und Philipps stehen in dem schulterhohen Korb. Salomon löst eine Leine.
Weitaus schwieriger gestaltete sich der Versuch, ihn von seinem Lieblingsthema abzubringen.

215
Philipps schaut etwas ängstlich nach unten.
Laslo Benedek sprach nur von seinem Motorrad.

216
Eine offene Garage. Philipps spricht mit dem bärtigen Riesen, der an seinem Motorrad herumbastelt.
Der blaue Chevrolet gehörte, wie ich von Lieutenant Morrison erfahren hatte, John Paxton. Paxton wiederum hatte den Wagen Laslo Benedek geliehen.

217
Laslo Benedek steigt aufs Motorrad. Philipps steht etwas zweifelnd daneben.
Nun genoß ich das zweifelhafte Privileg, Benedek auf einer Probefahrt begleiten zu dürfen.
Benedek: Das war Dienstag? Da ist meine Maschine nicht angesprungen. Aber jetzt ist wieder alles O.K.!

218
Benedek braust los, Philipps klammert sich als Beifahrer ängstlich an seinen Vordermann.
Benedek: Carter war ein echter Kumpel. Und ein guter Fahrer. Er fuhr eine 500er Harley.

219
Benedek fährt durch den (1953 noch nicht allzu dichten) Stadtverkehr.
Benedek: Und jetzt ist er tot. Angeblich hat ihn ein Panther getötet. Was wollte Carter mit einem Panther? Er war allergisch gegen Katzen.

220
Es geht durch die Vorstädte von Los Angeles.
Benedek: Carter hatte irgendwelche Papiere im Futter seines alten Reisekoffers versteckt. Irgendwie war er schon ein ziemlicher Spinner. Wer sollte ihm denn was klauen wollen.

221
Es geht eine Uferstraße entlang. Zur linken Hand fällt die Küste zum Meer hin ab..
Benedek: Ja na, so ganz unrecht hatte er vielleicht nicht. Da kam ja dieser Eastwood und wollte die Papiere. Er hat mir 500 Dollar dafür geboten.

222
Die Klippen werden steiler und felsiger. Das Motorrad wird von einem Sportwagen überholt. Der Fahrer ist nicht zu erkennen.
Benedek: O.K., Carter war tot, warum sollte er sie nicht haben. Also hab ich den Koffer geholt und zu Eastwood gebracht.

223
Die Straße steigt jetzt steil an. Man sieht, daß auf dem Höhepunkt der Steigung der Sportwagen am rechten Straßenrand geparkt ist.
Benedek: Ich weiß, das war vielleicht nicht ganz richtig. Aber Carter hätte sicher nichts dagegen gehabt. 5oo Dollar sind immerhin 500 Dollar.

224
Benedek will an dem Sportwagen vorbeifahren.

225
Man sieht, daß der Fahrer des Sportwagens auf Benedek schießt

226
Benedek wird getroffen.

227
Er verreißt den Lenker, und die schwere Maschine rast auf den Abgrund zu. Philipps schaut zum Schützen zurück und läßt dabei seinen Vordermann los.

228
Blick von unten: das Motorrad schießt über die Uferböschung hinaus. Philipps fällt vom Beifahrersitz.

229
Blick von oben: Benedek und seine Maschine stürzen in den Abgrund.

230
Aufprall in den Fluten des Pazifik.

231
Blick über die Kante des Abgrunds. Der Sportwagen hat gewendet und fährt die Uferstraße zurück nach Los Angeles (ein Schild im Hintergrund gibt genaueren Aufschluß über die Richtung).

232
Philipps hat sich nach dem Sturz vom Motorrad an den Klippen festklammern können. Blick von oben auf den Detektiv.
Mit den Koffern, die mir in 46 Berufsjahren untergekommen waren, hätte ich einen Laden aufmachen können.

233
Philipps wendet den Kopf und schaut in den Abgrund.
Ein besonderes Prachtstück war der Metallkoffer, den Tracy André Salomon zur Aufbewahrung gegeben hatte.

234
Blick von unten in das entsetzte Gesicht.
Einen Tag vor seinem Tod hatte er ihn zurückverlangt. Salomon brachte ihn Tracy in die Wohnung.


235
Nahaufnahme des entsetzten Gesichts von Philipps.
Tracy hatte Damenbesuch.


236
Totale von Philipps und André Salomon in einem Freiballon.
Ein Nerzmantel hing in der Garderobe und der Duft von Parfüm in der Luft.

237
Philipps vor seinem Büro. An der Glastür hängt ein Zettel.
Ich hatte seit ihrer Verhaftung nicht mehr mit meiner Klientin gesprochen.

238
Nahaufnahme des Zettels:
Bin auf Kaution frei. Wollte Lord Byron abholen. Bitte um Rückruf.
Nun bot sich die Gelegenheit für ein klärendes Gespräch.

239
Philipps und seine Klientin sitzen sich in einem teuer eingerichteten Wohnzimmer gegenüber. Sie hat Lord Byron auf dem Schoß.
Außerdem war ich nicht unglücklich, diese widerliche Siamkatze loszuwerden. Ohne die versprochene Sonderration Guppys.

240
Klientin mit Kater groß im Vordergrund. Nachdenklicher Philipps, der sich seine Pfeife stopft im Hintergrund.
Salomon hatte Tracys Besucherin nicht zu Gesicht bekommen. Immerhin, ein Pelzmantel ließ nicht gerade auf die Putzfrau schließen.

241
Philipps steckt Pfeife widerwillig wieder ein.
Diese Sorge um die Vorhänge schon eher.

242
Klientin bietet Philipps statt der entgangenen Pfeife selbstgebackene Anisplätzchen an.
Roxanne de Havilland hatte dagegen so garnichts von einer Putzfrau an sich.

243
Philipps kaut mit sichtbarem Mißbehagen auf dem harten Gebäck herum.
Sie ließ mich, ohne Fragen zu stellen, eintreten.

244
Philipps in der geräumigen Eingangshalle der de Havilland-Villa. Er legt den Hut auf einem verschnörkelten Hutständer ab.
Ich hatte ihr allerdings einige Fragen zu stellen.

245
Das Wohnzimmer. Roxanne und Philipps sitzen auf einer Couch nebeneinander. Philipps gibt sich sehr sachlich, Roxanne dagegen sehr offenherzig. Ihr Morgenmantel läßt tiefer blicken, als das in den Filmen von 1947 üblich war.
Philipps: Ich habe mit Vertretern der Bühnenarbeiter-Gewerkschaft gesprochen. Sie suchen Ihren Mann.

246
Roxanne zündet sich eine Zigarette an.

247
Sie bläst Philipps den Rauch ins Gesicht.

248
Roxanne: Mein Mann ist tot.

249
Philipps greift zur Pfeife.
Philipps: Mein tief empfundenes Beileid.

250
Er zieht einen Zettel aus der Tasche.
Philipps: Der Mann hieß Charley Malloy und war der Laufbursche von Johnny Friendly, dem Gewerkschaftsboß der Bühnenarbeiter.

251
Roxannes Morgenmantel geht noch etwas weiter auf.
Roxanne: Von welchem Mann reden Sie?

252
Philipps rückt etwas zum Couchende hin, wo allerdings nicht mehr viel Platz bleibt.
Philipps: Von dem Mann, den Sie als Ihren Gatten Ramon de Havilland identifiziert haben.

253
Nun befindet sich Roxanne auf dem Rückzug, ohne allerdings auf das züchtige Bedecken ihrer Blößen zu achten. Sie ist unter dem Morgenmantel nackt.
Philipps: Ihr Mann hat als Rechtsanwalt für die Gewerkschaft gearbeitet und dabei 320 000 Dollar unterschlagen. Da es sich um Schwarzgeld handelt, wurde die Polizei nicht eingeschaltet. Dieses Geld möchte die Gewerkschaft nun zurückhaben.

254
Roxanne: Ich wußte nichts davon. Ich dachte, es ginge um eine andere Frau.

255
Philipps: Dann wäre Ihr Mann nicht nur kriminell, sondern kriminell dumm. Er muß das Geld zurückgeben. Sie wissen, wie unangenehm die Bühnenarbeiter werden können!

256
Roxanne ist nur noch ein Häufchen Unglück. Allerdings ein sehr gut gebautes Häufchen.
Roxanne: Ich weiß nicht, wo er ist. Ich würde Ihnen sagen, wo mein Mann ist, aber ich weiß es nicht.

257
Philipps steht auf.
Philipps: Das sollten Sie aber. Sonst halten sich die Herren wegen des Geldes an Sie.

258
Philipps verläßt das sehr Hollywood-inspiriert eingerichtete Wohnzimmer. Roxanne liegt weinend auf der Couch. Der Morgenmantel gibt nun endgültig den Blick frei.
Und da saß ich nun und kaute steinharte Anisplätzchen.

259
Philipps sitzt immer noch im Wohnzimmer der Klientin. Die Schale mit Anisplätzchen ist beinahe leer. Sie krault noch immer Lord Byron hinter den Ohren.
Klientin: Und dann sagte Phyllis: "Geh doch zu diesem fabelhaften Detektiv Marlin Philipps". Weil doch Lord Byron verschwunden war.

260
Ein Wolkenkratzer in Froschperspektive.
Wenn das kein Grund war, Phyllis zu besuchen! Schon der alten Zeiten wegen.

261
Eingang des Bürogebäudes. Eine Reihe von Metallschildern weist die ansässigen Firmen und Gesellschaften aus, darunter auch die Frank Dietrichson Inc., die auf mehreren Etagen ihre Büros hat. Philipps geht gerade hinein.
Wir hatten uns seit ihrer Hochzeit nicht mehr gesehen.

262
Philipps wird von einigen freundlichen Herren des Sicherheitsdienstes begrüßt
Daß ich nichts Falsches sage: seit 1960, seit der Beerdigung ihres Mannes.

263
Philipps durchquert das geräumige Areal der Chefsekretärin. Dort liegt auf einem Schreibtisch die aus- und eingehende Post. Die Sekretärin kündigt seine Ankunft durch die Gegensprechanlage an.
Sekretärin: Mrs Dietrichson, Mr. Philipps ist jetzt da.

264
Dann wendet sie sich zu Philipps.
Sekretärin: Mrs Dietrichson erwartet Sie, Sir.

265
Philipps öffnet die schwere gepolsterte Bürotür.
Ramon de Havilland hatte mich nicht erwartet.

2
66
Ein schäbiges Hotelzimmer. Ramon, in Hose und Unterhemd, liegt auf dem Bett. Auf dem Nachttisch steht eine Flasche Whisky mit einem dreckigen Glas, daneben ein Revolver. Im Vordergrund Philipps, der gerade das Zimmer betreten hat.
Obwohl er mit Besuch zu rechnen schien. Zumindest vor der ersten Flasche Bourbon.

267
Philipps geht zum Nachttisch und steckt den Revolver ein. Ramon rührt sich nicht.
Wir schienen bei Frauen und Schnaps den gleichen Geschmack zu haben.

268
Philipps weckt de Havilland auf, indem er ihn kräftig schüttelt.
Allerdings machte er von beidem regeren Gebrauch.

269
De Havilland kommt langsam zu sich. Philipps hält ihm die Flasche vor die Nase.
Philipps: Ich glaube nicht, daß das Ihr Problem löst, Mr. de Havilland!

270
De Havilland greift nach der Flasche. Philipps zieht sie weg.
Ramon: Wie haben Sie mich gefunden?

271
Philipps zieht sich den einzigen Stuhl ans Bett.
Philipps: Sie hatten sich noch nicht nach Kuba oder Venezuela abgesetzt, dazu hatte Ihre Frau zuviel Angst um Sie. Und dann das selbe Hotel, nur ein anderes Zimmer, ich fand, das paßt zu Ihnen.

272
Philipps schaut sich um. Eine umfassende Geste mit der Hand.
Philipps: Das Hotel paßt allerdings garnicht zu Ihnen.

273
Er reicht de Havilland die Flasche.
Ich hatte schon immer einen Hang zu etwas weitschweifigen Vorträgen.

274
Philipps steht Eastwood und dessen Frau Elsie Marina gegenüber, die in tiefen Ledersesseln sitzen. Auf dem Tisch steht eine Obstschale. Die Hausbar mit einem großen Spiegel befindet sich an der Wand, an der außerdem geschmacklose Tierdarstellungen hängen .
Linda meinte, das würde mir irgendwann einmal zum Verhängnis werden.

275
Eastwood legt eine Film-Zeitschrift weg, in der er bis dahin geblättert hatte.
Eastwood: Sie kommen unangemeldet, Mr. Philipps.

276
Philipps macht keine Anstalten, Hut und Mantel abzulegen. Er lehnt sich, die Hände in den Manteltaschen vergraben, an den Türrahmen.
Philipps: Ich war nicht sicher, ob Sie mich empfangen würden.

277
Eastwood hebt die Arme.
Eastwood: Aber ich bitte Sie. Ich bin begierig zu erfahren, was Sie mir mitzuteilen haben.

278
Philipps: Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Laslo Benedek ist tot. Ich lebe.

279
Eastwood läßt sich nicht aus der Ruhe bringen.
Eastwood: Und welche davon ist die gute Nachricht? Übrigens, ich habe Ihnen noch gar nichts zu Trinken angeboten.


280
Philipps hat den Mantel über den Arm gehängt.
Philipps: Bourbon mit Eis, ohne Soda, wie immer.

281
Philipps und eine elegante Frau von über sechzig (Typ Lauren Bacall) stehen in einem großzügig proportionierten Chefbüro mit riesigem Schreibtisch. Über dem Schreibtischsessel ein ebenfalls riesiges Gemälde des Firmengründers Frank Dietrichson. Phyllis Dietrichson reicht Philipps das Glas.
Phyllis: Entschuldige, das hätte ich noch wissen müssen.

282
Philipps trinkt, während Phyllis ihr Glas nicht anrührt.
Linda Dietrichson hieß Phyllis. Das hätte ich noch wissen müssen.
Phyllis: Fast dreißig Jahre haben wir uns nicht gesehen.

283
Philipps dreht das leere Glas zwischen den Fingern.
Philipps: Seit der Beerdigung deines Mannes. Eine traurige Geschichte, damals.

284
Phyllis: Ja, ein Einbrecher hat ihn erschossen. Zwei Jahre nach unserer Hochzeit.

285
Philipps: Und du hast nie wieder geheiratet?

286
Phyllis: Ich habe die Firma von Frank übernommen, da blieb keine Zeit für Privates. Wir haben übrigens mächtig expandiert.

287
Philipps nimmt in der Sitzecke an dem gläsernen Sofatisch Platz.
Philipps: Man sieht es. Ich darf doch rauchen? Erinnerst du dich an den Fall Eastwood?

288
Eastwood steht an der Bar und schenkt drei Gläser ein. Philipps beobachtet ihn von der Tür her. Elsie Marina schaut schweigend in ihren Sessel gedrückt zu.
Wieso erzählte ich Phyllis von diesem Fall? Wahrscheinlich, weil ich wieder mal keinen Anfang finden konnte. Vielleicht, weil ich Phyllis immer noch liebte.

289
Philipps: Sie haben zu hoch gepokert, Eastwood. Sie wollten Carter loswerden, und Sie wollten die Versicherungssumme kassieren. Beides zusammen ging nicht.

290
Eastwood reicht ihm das Glas.
Eastwood: Sie meinen wohl, daß es ein Fehler war, den großen Detektiv Marlin Philipps zu engagieren!

291
Philipps nimmt das Glas, trinkt aber nicht.
Philipps: Carter hat Sie erpreßt. Und Sie waren in finanziellen Schwierigkeiten. Das reimt sich sehr leicht zusammen.

292
Philipps: Sie hätten Carters Tod als Unfall darstellen sollen. Schließlich war bekannt, daß der Panther äußerst unberechenbar war. Aber die Geschichte mit der Entführung war nicht sehr glaubhaft. Auch nicht durch die Verpflichtung eines Detektivs.

293
Eastwood hat sich wieder neben seiner Frau niedergelassen.
Eastwood: Ich bezahle Sie nicht dafür, daß Sie mir einen Mord anzuhängen versuchen. Wie wollen Sie das alles beweisen?


294
Philipps und Phyllis haben es sich in der Sitzecke bequem gemacht. Philipps hat seinen Mantel sorgfältig über die Sofalehne gehängt. Er stopft seine Pfeife.
Phyllis: Eastwood, das war der Mann mit dem gestohlenen Panther. Dem Panther mit der Brillanthalsband. Wie kommst du gerade jetzt darauf?

295
Philipps schaut Phyllis an, während er die Pfeife anzündet. Phyllis faßt sich unbewußt an die wertvolle Halskette.
Ja, wie kam ich darauf? Weil auch Phyllis ein Panther war, ein Panther mit Brillanthalsband?

296
Philipps: Du hast ihn erschossen.

297
Phyllis: Wen, um Gottes Willen? Eastwood oder den Panther?

298
Philipps sitzt im Hotelzimmer vor de Havillands Bett.
Philipps: Charley Malloy, den Mann, der Ihre Frau geschlagen hat. Sie waren hier im Nebenzimmer, als Malloy Ihre Frau angriff.

299
De Havilland hält immer noch die Flasche in den Händen.
Ramon: Ich konnte jedes Wort hören, das drüben gesprochen wurde. Dieses Schwein schlug sie, und dann drohte er, er würde sie...

300
Totale des Hotelzimmers, von oben gesehen. De Havilland ist nach vorne über die Flasche zusammengesunken.
Ramon de Havilland hatte seine Frau verlassen, um sich mit den unterschlagenen 320 000 Dollar in der Südsee zur Ruhe zu setzen. Und wenn er ihr in jenem Hotelzimmer nicht zur Hilfe gekommen wäre, säße er jetzt wahrscheinlich auch dort

301
Büroetage von Phyllis Dietrichson. Philipps ist aufgestanden, während Phyllis ihr Bourbonglas auf dem Glastisch herumschiebt.
Philipps: Du hast den Einbrecher erschossen. Den Einbrecher, der deinen Mann getötet hat.

302
Phyllis schaut kaum auf. Sie spielt immer noch mit dem vollen Glas.
Phyllis: Das ist dreißig Jahre her. Ja, ich habe ihn erschossen, als er sich über die Leiche meines Mannes beugte. Und es tut mir nicht leid.

303
Philipps stellt sich vor das Porträt von Frank Dietrichson.
Philipps: Der Einbrecher hieß John Robie. Er arbeitete als Wachmann bei den Universal-Studios. Erinnerst du dich?

304
Phyllis ist immer noch wie teilnahmslos.
Phyllis: Ich glaube, ich habe davon gelesen.

305
Philipps wandert weiter durchs Zimmer.
Philipps: Nach seinem Tod entdeckte man, daß er die Studios systematisch bestohlen hatte. Du kanntest ihn übrigens.

306
Phyllis wird energisch.
Phyllis: Die Polizei hat nach dem Tod meines Mannes nach Verbindungen zwischen mir und dem Einbrecher gesucht. Sie hat keine gefunden.

307
Philipps: Die Polizei nicht, aber Tracy. Robie war von der Universal für diesen Kalter-Kriegs-Schinken der Paramount abgestellt worden. Tracy hatte die Frank Slaughter-Akte mit deinem Bericht über unseren Job bei der Paramount. Und er hat dich damit erpreßt.

308
Philipps geht mit einem Koffer die Treppe des Hotels hinunter.
Die 320 000 Dollar lagen in einem Koffer unter dem Bett.

309
Philipps steht an der Rezeption und telefoniert.
Vom Apparat an der Rezeption rief ich die Polizei an.

310
Der Oberschläger der Bühnenarbeiter-Gewerkschaft nimmt ihm den Hörer aus der Hand und legt auf.
Das heißt, ich wollte die Polizei anrufen.

311
Der Oberschläger nimmt den Koffer an sich. Drei seiner Leute gehen die Treppe zu de Havillands Hotelzimmer hinauf.
Doch die Herren der Bühnenarbeiter-Gewerkschaft hatten vorher noch einige persönliche Dinge mit Ramon de Havilland zu regeln.

312
Philipps steht hinter Phyllis. Er hat seine Hand auf ihre Schulter gelegt.
Sie ließen noch etwas von ihm für die Polizei übrig. Viel war es nicht.

313
Phyllis: Die Frank-Slaughter-Akte! Du hast also doch bemerkt, daß sie fehlt.

314
Philipps: Du hast mein Ablage-System immer unterschätzt. Verraten hat dich aber dein Bauernzug.

315
Philipps: Du hattest schon damals die Angewohnheit, die Figuren auf meinem Schachbrett zu verschieben. Außerdem warst du die einzige, die einen Schlüssel zu meinem Büro haben konnte. Wenn man mal davon ausgeht, daß in den besseren Krimis der Hausmeister nie der Täter ist.

316
Eastwoods Wohnzimmer. Philipps starrt seinen Kontrahenten grimmig an, während Elsie Marina eine Handtasche vor ihrer Brust zerknüllt.
Das war natürlich gelogen. Nicht nur das mit dem Hausmeister.

317
Philipps trinkt endlich seinen Bourbon, den er bis dahin in der Hand gehalten hatte.
Ich hatte Phyllis nie verdächtigt. Erst als ich erfuhr, daß sie es war, die meiner Klientin empfohlen hatte, mich zu engagieren, ging mir ein Licht auf. Der Rest war Bluff.

318
Philipps: "The Showgirl" mit Donald O'Connor und Elsie Marina war ein großer Erfolg. Ihre Frau gilt seitdem als aufsteigender Stern am Filmhimmel. Das wäre alles vorbei gewesen, wenn Carter die Fotos veröffentlicht hätte, die er vor einigen Jahren von Elsie machte.

319
Philipps: Sie wollten das alles vor Ihrer Frau geheimhalten, Eastwood. Doch sie hat Laslo Benedek gesehen. Und sie hat die Fotos gesehen, die er Ihnen verkauft hat, ohne zu wissen, mit welchem Sprengstoff er da handelt..

320
Eastwood ist erregt aufgesprungen.
Eastwood: Lassen Sie Elsie aus dem Spiel. Sie hat mit der Sache nichts zu tun!

321
Eastwood und Philipps stehen sich gegenüber. Eastwood in drohender Haltung, Philipps nach wie vor lässig gegen den Türrahmen gelehnt.
Jeder Mensch hat seinen schwachen Punkt. Man muß ihn nur finden. Der schwache Punkt von Eastwood hieß Elsie Marina.

322
Büroetage. Philipps schenkt sich einen neuen Bourbon ein.
Philipps: Damit kommen wir zu Tracy und zu Lord Byron. Du hast ihn entführt, um deiner Freundin den Mord an dem Erpresser in die Schuhe schieben zu können. Warum sie?

323
Phyllis schleudert das volle Whiskyglas vom Tisch.
Phyllis: Sie hat nie erfahren, daß ich davon wußte. Sie war Franks Geliebte. Wir waren erst drei Monate verheiratet, und Frank hatte schon eine Geliebte!

324
Philipps: Tracy war kein Riese, aber auch kein Handgepäck. Wie hast du ihn in das Fabrikgebäude geschafft?

325
Phyllis: Das war nicht nötig. Tracy hat die geschäftlichen Konferenzen mit seinen Klienten in der stillgelegten Fabrik abgehalten. Ich mußte ihn nur betäuben und auf die Gelegenheit bei der Geldübergabe warten.

326
Philipps: Kompliment, die Vorstellung am Fenster war oscarreif. Ich habe wirklich geglaubt, daß da zwei Leute im Zimmer herumlaufen.

327
Phyllis: Das war ja auch der Grund, warum ich dich als Zeugen wollte: ich wußte, wie du vorgehen würdest. Und deine Augen sind nicht die besten. Das waren sie schon damals nicht.

328
Großaufnahme von Philipps (Augen).
Meine Augen waren immerhin gut genug, um das Gesicht einer schöne Frau wiederzuerkennen..

329
Eastwood steht immer noch Philipps gegenüber, schaut aber zu seiner Frau hinüber, die in ihre Handtasche greift.
Und Elsie Marina war zweifellos eine schöne Frau.

330
Philipps: Ihre Frau wollte Laslo Benedek zur Rede stellen. Dann sah sie ihn im Gespräch mit einem Detektiv. Da verlor sie die Nerven.

331
Elsie Marina ist aufgestanden. Die Pistole, die sie aus ihrer Handtasche gezogen hat, mit gestreckten Armen auf Philipps richtend, geht sie drohend auf ihn zu.
Philipps: Sie verfolgte uns in ihrem weißen Sportwagen und schoß auf Benedek. Er stürzte mit seinem Motorrad von der Küstenstraße ins Meer.

332
Philipps: Und das, Mr. Eastwood, sind keine unbeweisbaren Theorien, denn ich habe den Mörder von Laslo Benedek gesehen. Und der Mörder ist Ihre Frau. Der Mörder ist Elsie Marina!

333
Elsie schießt auf Philipps.

334
Obwohl Philipps sich zur Seite wirft, wird er in den rechten Arm getroffen. Trotz der Schußverletzung zieht er mit der rechten Hand, die er bis dahin immer noch in der Manteltasche vergraben hatte, einem Revolver hervor.

335
Eastwood stürzt zu Elsie hin und fällt ihr in den Arm.

336
Philipps schießt auf Elsie.

337
Er trifft Eastwood in den Rücken.

338
Eastwood hat Elsie zu Boden gerissen, die vom Durchschuß an der Schulter verletzt ist. Philipps läßt den verletzten Arm mit der rauchenden Waffe schlaff herunterhängen.
Vielleicht hatte Eastwood mir gerade das Leben gerettet. Trotzdem war ich nicht übermäßig traurig daß es ihn dabei erwischt hatte.


339
Philipps hat sich wieder zu Phyllis gesetzt.
Philipps: Wieso hast du nicht einfach gezahlt? So ein Laden müßte doch auch einen kleinen Erpresser mit durchfüttern können.

340
Phyllis: Mein Vater wurde von einem Buchhalter erpreßt, weil er 25 Dollar nicht ordnungsgemäß abgerechnet hatte. Er hat sich von der Brooklyn-Brücke gestürzt.

341
Philipps hat den Trenchcoat wieder angezogen und verläßt das Büro seiner ehemaligen Sekretärin.
Phyllis hatte sehr offen geredet. Sie wußte, daß ich ihr nichts beweisen konnte. Und sie vertraute darauf, daß ich es nicht wollte.

342
Philipps bleibt mit dem Rücken zum Schreibtisch der Sekretärin stehen, die ihn auch nicht weiter beachtet.
Wovon Phyllis nichts wußte, war der Cassettenrecorder in meiner Manteltasche, mit dem ich unser Gespräch aufgezeichnet hatte. Wahrscheinlich traute sie mir die Bedienung eines technisch so komplizierten Gerätes garnicht zu.

343
Philipps fährt mit dem Fahrstuhl hinunter ins Erdgeschoß.
Diese Cassette würde Phyllis gerichtlich nicht belasten können, aber meiner Klientin sicher aus dem Gröbsten heraushelfen.

344
Als er den Fahrstuhl verläßt, stellen sich ihm einige Sicherheitsbeamten in den Weg.
So wie ich Shirley aus der Scheiße herausgeholfen hatte.

345
Sie durchsuchen ihn.
Die Gangster, die Shirley bedrohten, weil die sie beim Verkauf von Drogen beobachtet hatte, hatten in der "Blauen Dahlie" einen toten Briefkasten zur Übergabe ihres Stoffs eingerichtet.

346
Philipps verläßt gerade den Waschraum des Prominententreffs.
Ich hatte den Briefkasten geleert und wollte gerade das Lokal verlassen, als ich Eddie Mars und einige seiner Kumpel traf.

347
Auf dem Parkplatz der "Blauen Dahlie". Mars und seine Männer umringen Philipps.
Eddie: Ich glaube, du hast etwas, das uns gehört.

348
Philipps: Das kann ich mir nicht vorstellen. So etwas Unappetitliches würde ich doch nie mit bloßen Fingern anfassen.

349
Eddie: Wenn du nichts dagegen hast, schauen wir da doch lieber selber nach.
350
Philipps schlägt den ersten Gorilla, der ihm zu nahe treten will, nieder.
Philipps: Aber ich hab etwas dagegen!

351
Philipps steht drohend vor dem am Boden sitzenden Gorilla. Seine Kumpanen stehen etwas unschlüssig um die beiden herum.
Eddie: Macht ihn fertig!

352
Einer der Schläger packt Philipps von hinten im Nelson-Griff. Der tritt einem der von vorne angreifenden Männer in den Magen.
Ich war mächtig in Form.

353
Die Angreifer reißen ihn in Football-Manier zu Boden.
Etwa so wie Davy Crockett in Alamo.

354
Ein Haufen sich schlagender Männer. Philipps ist irgendwo ganz unten.
Ich hoffte nur, daß Shirley das Kokain in der Zwischenzeit in Sicherheit bringen konnte.

355
Philipps im Dietrichson-Building. Die Herren vom Wachpersonal nehmen ihm den Recorder weg und holen die Cassette aus dem Gerät.
Diesmal ließ ich mich auf keine Schlägerei ein. Ich hätte es jederzeit mit einem einarmigen Banditen im Zustand fortgeschrittener Leichenstarre aufgenommen. Aber diese Jungs machten einen noch recht munteren Eindruck.

356
Philipps sitzt in seinem Büro mit heruntergelassenen Jalousien. Die Sonne wirft helle Streifenmuster auf die Wände.
Munter, aber nicht clever. Zumindest nicht clever genug.

357
Ein Schatten an der Milchglastür kündigt einen Besucher an.
Und jetzt sitze ich in meinem Büro und warte auf den Postboten.

358
Die Türklinke wird heruntergedrückt.
Auf den Brief mit der Cassette, den ich in Phyllis' Vorzimmer unter die ausgehende Post geschmuggelt habe.

359
In der Tür steht eine wunderschöne Frau mit langen rotbraunen Haaren.

360
Im Vordergrund Silhouette des aufreizenden Frauenkörpers. Im Hintergrund Philipps an seinem Schreibtisch, Pfeife rauchend und Schach spielend.

361
Klientin: Sie müssen meinen Mann finden!


ENDE