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Burkhard Ihme - Szenario Lyla Lee - Jackwill & Hyde

 

Szenario
Lyla Lee - Jackwill & Hyde



1
Splash Panel Großstadt. Hochhäuser, aber keine Wolkenkratzer. Etwas heruntergekommene Gegend.

2
Flachdach schräg von oben. Ein bärtiger Mann mit langen Haaren im Parka rennt über das Dach. In der Hand hält er eine Pistole.

3
Er erreicht eine Tür, hinter der vermutlich die Treppe nach unten führt.

4
Er dreht sich um und schießt auf einen Verfolger, der bisher noch nicht im Bild war.

5
Der Verfolger schießt offensichtlich zurück. Der Bärtige kann gerade noch zur Seite springen, bevor fünf Kugeln die Tür da durchbohren, wo kurz zuvor noch sein Kopf war.

6
Blick auf den Verfolger. Joe Pincer, Privatdetektiv im Einsatz, hält die großkalibrige Waffe im Anschlag.
Pincer: Gib auf, Spielberg!

7
Totale des Daches. Während Joe langsam näher kommt, rennt Spielberg schräg über das Dach, weg von der Tür, die er nicht mehr öffnen konnte.

8
Blick von unten, als der Flüchtende in 17 Meter Höhe auf das etwas niedrigere Dach des Nachbarhauses springt.

9
Der Mann im Parka erreicht die eiserne Feuertreppe, die an der Hauswand in mehreren Ettappen nach unten führt.

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Pincer springt ebenfalls auf das Nachbardach. Im Vordergrund dreht sich Spielberg, mehrere Stufen tiefer auf der Feuerleiter stehend, nach seinem Verfolger um.

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Bei der Landung knickt Pincer etwas mit dem Fuß um, fällt deshalb hin und wird von Spielbergs Kugel verfehlt, die als Querschläger von der niedrigen Brüstung abprallt.

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Pincer bückt sich nach seinem Revolver, den er während des Sturzes fallen ließ. Er ruft hinter dem Bärtigen her.
Pincer: Das hab ich mir gemerkt, Spielberg!

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Als Pincer die Brüstung bei der Feuertreppe erreicht, ist Spielberg schon von den Stufen verdeckt. Pincers Schuß endet als Querschläger.
Pincer: Verdammt, bleib endlich stehen!

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Blick von schräg unten auf die Feuerleiter, die die beiden Männer, mehrere Etagen von einander entfernt, hinunterrennen.

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Spielberg hat das Ende der Feuerleiter, die knapp drei Meter über dem Erdboden endet, erreicht. Er hängt sich mit beiden Händen an die unterste Strebe des Geländers, um zu springen. Dabei verliert er seine Waffe. Unter der Treppe ist der Seitenausgang eines Supermarktes. Eben verläßt eine Hausfrau mit gut gefülltem Einkaufswagen das Gebäude.

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Pincer sieht, daß er den Flüchtenden nicht einholen kann. Er macht sich einige Meter weiter oben fertig zum Sprung, um in ihn Cowboy-Manier niederzureißen.
Pincer: Na warte!

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Blick von schräg oben, von der Hauswand aus gesehen. Während Spielberg wegläuft, befindet sich Pincer noch in der Luft. Die Spitze des Einkaufswagen schiebt sich unterhalb der Feuerleiter ins Bild.

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Pincer landet voll mit dem Gesäß im Einkaufswagen und beschädigt Lebensmittel im Einkaufswert von 63 Dollar und 32 Cent.

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Er dreht sich, ohne seine untere Körperhälfte aus dem Gemisch von Milch, Speiseeis und Maracuyasaft heben zu können, zu dem Flüchtenden um, die schußbereite Waffe in der Hand.
Pincer: Bleib stehen, oder ich schieße!

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Pincer schießt, aber der Revolver ist leer.
Pincer: Hagel und Granaten! Leer!

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Die Hausfrau hält den Einkaufswagen immer noch fest in den Händen. Sie ist zu erschrocken, um irgendetwas zu sagen. Pincer wendet sich an sie.
Pincer: Polizei bei der Verfolgung eines flüchtigen Straftäters. Los, hinterher!

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Die Hausfrau schiebt gehorsam den Einkaufswagen hinter dem weit enteilten Spielberg her.
Pincer: Schneller, schneller!

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Die vormals ebene Straße geht in eine Gefällstrecke über. Entsetzt springen die Passanten zur Seite, als Spielberg und seine Verfolger sich nähern.
Pincer: Gut so! Nur noch wenige Meter!

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Die Hausfrau läßt erschöpft ihren Einkaufswagen los, der in rasender Fahrt Spielberg gegenüber aufholt.
Pincer: Wir kriegen ihn, wir kriegen ihn!

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Pincer hat Spielberg beinahe erreicht. Der bemerkt erst jetzt den Verfolger in seinem Gefährt. Er fuchtelt mit den Armen, während er Pincer das Gesicht zuwendet .
Spielberg: Hau ab, Mann!

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Spielberg will nach rechts flüchten, doch Pincer erwischt ihn mit beiden Armen am Oberkörper.
Pincer: Hab ich dich!

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Pincer wird durch den Schwung aus dem Einkaufswagen gerissen, der dabei, aus der Bahn geworfen, eine Kurve nach links beschreibt. Die beiden Männen stürzen übereinander.

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Während sich die Kontrahenten aufrappeln, überquert der Einkaufswagen eine befahrene Verkehrstraße.

29
Im Vordergrund fahren einige Autos ineinander, im Hintergrund beginnt ein Faustkampf nach bewährtem Zeremoniell.

30
Der Einkaufswagen landet schlußendlich im Schaufenster eines Porzellanladens.

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Pincer hat mittlerweile den Bärtigen halb totgeschlagen. Er hält Spielberg mit einer Hand am Kragen, die andere hat er drohend zum Schlag erhoben.
Spielberg: Mann, wer sind Sie, was wollen Sie überhaupt von mir?

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Eine Totale gibt das gesamte Ausmaß der Verwüstung eindrucksvoll wieder.
Pincer: Joe Pincer, Privatdetektiv. Ich verhafte dich wegen unerlaubtem Waffenbesitz und grober Sachbeschädigung.


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Joe Pincer geht die Treppe zu seinem Detektivbüro hinauf. Auf der Glastüre steht in großen Buchstaben JOE PINCER, Private Investigator.

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Als er die Tür aufschließen will, merkt er, daß sie unverschlossen ist.
Pincer: Verdammt, ich war sicher, daß ich abgeschlossen habe.

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Er stellt sich mit dem Rücken zur Wand neben die Tür, die mittlerweile nachgeladene Waffe in beiden Händen.
Pincer: Aber Joe Pincer läßt sich nicht so einfach überrumpeln!

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Blick aus dem Inneren des Zimmers. Pincer tritt die Tür mit dem Fuß auf. Sie prallt gegen die Wand, zerbricht aber nicht. Sicherheitsglas. Pincer steht mit gezücktem Revolver in der Türöffnung.
Pincer: Waffe fallen lassen, Hände über den Kopf!

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Der Raum ist das Vorzimmer von Pincers Detektivbüro. Zur linken Hand steht ein Schreibtisch mit Schreibmaschine, Telefon und diversen Briefablagen. Dahinter sitzt eine junge Frau und telefoniert.
Lyla Lee: Sicher, wir schicken Ihnen den Zwischenbericht umgehend zu...

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Joer Pincer erlegt mit einigen gezielten Schüssen den Telefonapparat.

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Lyla wendet sich dem Privatdetektiv zu, während sie den Telefonhörer in den Papierkorb neben ihrem Schreibtisch fallen läßt.
Lyla Lee: Der Beschreibung nach müssen Sie Joe Pincer sein.

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Joe steht noch immer in unveränderter Haltung im Türrahmen.
Pincer: Wer sind Sie und was haben Sie hier verloren?

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Lyla macht immer noch keine Anstalten, die Hände über den Kopf zu halten. Aber sie hält sie wohlweislich immer so, daß Joe sie sehen kann.
Lyla Lee: Erinnern Sie sich nicht? Sie haben gestern bei Effie Perine angerufen. Und hier bin ich.

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Pincer nimmt die linke Hand von der Waffe.
Pincer: Ach ja, die Sekretärinnenvermittlung. Wie sind Sie hier reingekommen?

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Lyla Lee: Das Schloß war mit einer Haarklammer ganz leicht zu öffnen.

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Pincer steckt endlich die Waffe ein.
Pincer: Na schön, Schlösser knacken können Sie also. Wie sieht es mit Stenographie und Maschine schreiben aus, Schätzchen?

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Pincer zieht seine Jacke aus. Sein Schulterhalfter ist besser gebunden als sein Schlips. Er geht zu einer kleinen Kochecke dem Schreibtisch gegenüber. Dort steht ein Eisentopf mit einer schwarzen Flüssigkeit auf der Elektroplatte.
Lyla Lee: Ich schreibe schneller Steno, als Sie diktieren können, besser Schreibmaschine, als Sie schießen, und ich heiße Lyla Lee. Wenn Sie auf meine Dienste Wert legen, sollten Sie sich das merken.

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Joe gießt sich eine Tasse ein.
Pincer: O.K., Lyla, Sie haben zwei Wochen Probezeit. Bis dahin hab ich auch herausgefunden, wer Ihr Gagschreiber ist. Ich sehe, Sie kochen auch Kaffee...

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Joe trinkt einen Schluck.
Lyla Lee: Ehrlich gesagt, mein Steno ist besser als mein Kaffee.

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Pincer spuckt den Kaffee sofort wieder aus.

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Er greift nach einer Flasche im Schiebeschränkchen über der Kochecke.
Pincer: Ich wollte schon lange mit dem Trinken aufhören. Ich konnte mich nur nicht zwischen Whiskey und Kaffee entscheiden.

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Lyla Lee: Geben Sie mir bitte 10 Cent?
Pincer: Für den Kaffee? Ich hab ihn ja nicht mal getrunken.

51
Lyla Lee: Zum Telefonieren. Die Telefongesellschaft soll einen neuen Apparat installieren.

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Joe öffnet einen anderen Schrank. Dort stehen säuberlich aufgereiht acht Telefonapparate.
Pincer: Nicht nötig. Ich bin auf alles vorbereitet.

53
Pincer schließt das Telefon an der Dose an (Stecker für transportable Apparate). Er kriecht dabei unter dem Schreibtisch herum und riskiert dabei schon den einen oder anderen Blick auf seine neue Mitarbeiterin.
Pincer: So, und schon ist alles wieder in schönster Ordnung.

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Das Telefon klingelt.

55
Lyla nimmt den Hörer ab und blickt dabei etwas amüsiert auf Pincer, der sich den Kopf am Schreibtisch gestoßen hat, wie man daran sehen kann, daß er sich den Kopf haltend auf dem Boden herumrutscht.
Lyla Lee: Detektivbüro Joe Pincer. Womit können wir Ihnen dienen?

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Lyla blickt zu Pincer hinüber, hält dabei die Hand über die Sprechmuschel.
Lyla Lee: Die Polizei. Möchten Sie das Gespräch in Ihrem Büro entgegennehmen?

57
Pincer sitzt in seinem Büro lässig auf einen großen Sessel hinter seinem Schreibtisch hingeflegelt. Das Büro sieht genau so aus, wie man es von einem Privatdetektiv der Hard-boiled-Schule nur erwarten kann.
Pincer: Hallo, Brad. Ja, ich habe eine neue Sekretärin. Bist ja ein echter Schnellmerker, man könnte dich glatt für einen Detektiv halten. Was gibts Neues?

58
Brad Pampers: Ich hab es eben von den Kollegen vom 87. erfahren. Liam Jackwill ist tot. Er wurde vor einer Stunde aus der Bucht gefischt. Nein, kein Zweifel. Marny hat ihn identifiziert.

59
Lyla sitzt im Vorzimmer mit hinter dem Kopf verschränkten Händen und hört über die Gegensprechanlage das Gespräch mit.
Pampers: Das ist noch nicht alles. Liam wurde mit einer kleinkalibrigen Waffe in die Brust geschossen. Und er trug 5000 Dollar bei sich. Alles Falschgeld.

60
Pincer: Brad, du hast Liam doch ebenso gut gekannt wie ich! Er hätte sich nie auf krumme Dinge eingelassen.

61
Brad Pampers: Ich habe Liam das letzte mal vor 6 Jahren getroffen. Und Menschen können sich ändern.

62
Pincer: Jeder andere, aber nicht Liam. Doch ich werde mir den Scheißkerl schnappen, der Liam auf dem Gewissen hat.

63
Brad Pampers: Ich warne dich, Joe. Das ist Sache der Polizei. Also halte dich da raus.

64
Lyla hört weiter, mittlerweile das Gesicht auf die Hände gestützt,
dem Gespräch der beiden zu.
Pincer: Du weißt ja, wie weit du bisher mit deinen Warnungen gekommen bist, Brad.
Brad Pampers: Wenn du mir nicht immer ins Handwerk pfuschen würdest, wäre ich längst Polizeipräsident!

65
Joe kommt aus seinem Büro.
Pincer: Ich muß noch mal weg. Notieren Sie alle Anrufe.
Lyla: O.K., Chef.

66
Eine Ufer-Promenade am Strand. Im Hintergrund, jenseits der Bucht, die Skyline der Großstadt, auf der Wasserfläche, trotz des trüben Wetters, vereinzelte Segelboote. Joe Pincer hält Marny Jackwill um die Schultern gefaßt.
Pincer: Und wann hast du Liam zum letzten mal gesehen?
Marny: Vorgestern abend. Er wollte, wie jeden Dienstag, zu seiner Pokerrunde in der Half Moon Street. Dort ist er nie angekommen.

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Joe und Marny sind stehen geblieben und schauen auf die Bucht hinaus.
Pincer: Woher weißt du das?
Marny: Als Liam um ein Uhr noch nicht zurück war, hab ich bei Bob Kanew angerufen.

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Pincer: Um ein Uhr? Ich erinnere mich an Pokerrunden, die bis vier oder fünf Uhr am Morgen dauerten. Das ist allerdings ein paar Jahre her.

69
Marny: Liam ist eben solide geworden. Außerdem muß Bob morgens früh aufstehen und schmeißt seine Gäste um halb zwölf auf die Straße. Liam kam danach immer sofort nach Hause.

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Die beiden gehen weiter die Promenade entlang.
Pincer: Du hast keine Vorstellung, wie das Falschgeld in seine Tasche gelangt sein könnte, Marny?

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Joe und Marny erreichen den Parkplatz, auf dem Pincer seinen Wagen abgestellt hat.
Marny: Wenn er es nicht beim Pokern gewonnen hat, habe ich keine Erklärung. Liam trug nie große Summen mit sich herum.

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Pincer hält der Witwe die Autotür auf.
Pincer: Liam hat am Dienstag nicht gepokert. Oder könnte es sein, daß Bob Kanew dich angelogen hat?

73
Pincer fährt die Frau seines toten Freundes zu ihrer Wohnung.
Marny: Wir kennen Bob jetzt seit 15 Jahren. Aber er war immer Liams Freund. Ja, er hätte mich anlügen können, um Liam damit einen Gefallen zu tun. Aber ich verstehe nicht...

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Der Wagen hält vor einer roten Ampel.
Pincer: ...wieso er leugnen sollte, daß Liam bei ihm zum Pokern war. Du hast recht. Schließlich war er jeden Dienstag bei ihm. Oder gab es in letzter Zeit irgendwelche Veränderungen in Liams Gewohnheiten, in seinem Verhalten?

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Ein alter Mann, der sich ein Zubrot als Wagenwäscher verdient, macht sich mit einem schmutzigen Lappen an Joes Frontscheibe zu schaffen.
Marny: Mir ist nichts aufgefallen. Du weißt doch, wie er war, Joe. Jede Woche kam er mit einer neuen Idee, wie er über Nacht reich und berühmt werden könnte. Die letzten 10 Tage hat er von nichts anderem geredet.

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Die Ampel schaltet auf grün. Pincer fährt weiter, ohne dem wild gestikulierend zurückbleibenden Fensterwäscher etwas zu geben.
Pincer: Dieser Idiot hat mir die ganze Scheibe verschmiert! Hat Liam gesagt, worum es diesmal ging?

77
Blick aus der Vogelperspektive. Joes Wagen bohrt sich in den dichter werdenden Stadtverkehr.
Marny: Seltsam, darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Nein, er hat ganz geheimnisvoll getan und nie gesagt, auf welche Weise er an das große Geld herankommen wollte.

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Marny schließt ihre Wohnung auf.
Pincer: Kann ich noch etwas für dich tun, Marny?
Marny: Danke, daß du gleich gekommen bist. Trinkst du noch einen Kaffee?

79
Marny geht an die Bar im Wohnzimmer. Überall stehen Modelle von Kriegs- und Handelsschiffen herum. Wie man durch die offenstehende Tür sehen kann, stehen auch im Flur die Regale voll davon.
Pincer: Danke, hab ich mir heut morgen abgewöhnt. Hast du vielleicht einen Bourbon für mich?
Marny: Du weißt doch, Liam hat immer eine Flasche extra für dich aufgehoben.

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Marny bekommt einen Weinkrampf und sitzt mit der Flasche in der Hand auf dem schäbigen Sofa. Joe tritt hinter das Sofa und legt ihr die Hände auf die Schultern.
Marny: Ich kann mir gar nicht vorstellen, daß er jetzt nicht mehr da ist. Ich werde ihn nie wieder sehen!

81
Das Telefon klingelt.
Marny: Nimmst du bitte für mich ab, Joe?

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Joe hat den Hörer in der Hand und schaut fragend zu Marny hinüber.
Pincer: Es ist ein Jack Ripley. Wer ist das?
Marny: Er gehörte auch zu Liams Pokerrunde. Gibst du mir den Hörer?

83
Während Marny telefoniert, schaut sich Joe im Wohnzimmer um.
Marny: Ja, es ist ganz schrecklich. Ob deine Frau heut abend herüberkommen kann? Doch, ich würde mich wirklich freuen, Jack.

84
Joe tritt vor das einzige der vielen Regale, das, und auch nur spärlich, mit Büchern bestückt ist. Im Regal steht ein Album mit Fotos der Highschool-Absolventen. Es trägt die Aufschrift S.S. Van Dine Highschool.
Marny: Danke, das ist lieb von euch...Ich weiß nicht, wann die Leiche freigegeben wird...Ja, Joe Pincer, ein Privatdetektiv. Er wird den Mörder sicher finden.

85
Joe Pincer betritt das Vorzimmer seiner Detektei. Lyla Lee ist damit beschäftigt, das Zimmer völlig umzuräumen.
Pincer: Was ist denn hier passiert? Ein Überfall?

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Lyla Lee räumt Akten aus einem der vielen Aktenstapel am Boden ins Regal.
Lyla Lee: Ich bringe Ordnung in die Akten. Zumindest hab ich keine Systematik in der Ablage entdecken können.

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Pincer wirft ihr das Jahrgangsalbum auf den Schreibtisch.
Pincer: Wenn Sie nichts besseres zu tun haben, kümmern Sie sich um das hier. Das ist der Abgangsjahrgang von Jackwills Highschool. Ich möchte von jedem wissen, wo er zum Zeitpunkt des Mordes war.

88
Lyla Lee schaut in das Album hinein.
Lyla Lee: Das sind Dutzende von Namen. Was ist mit den Lehrern?

89
Pincer öffnet die Tür zu seinem Büro. Er dreht sich im Türrahmen um.
Pincer: Die Lehrer können Sie vergessen. Irgendwelche Anrufe für mich?

90
Lyla Lee sitzt über das Album gebeugt und schaut kaum auf.
Lyla Lee: Ein paar Leute, die Geld von Ihnen wollten. Einige klangen ziemlich unfreundlich.

91
Pincer schließt die Tür hinter sich. Kurz bevor die Tür ins Schloß fällt, gibt er durch den Spalt letzte Anweisungen.
Pincer: Da sind wohl ein paar Rechnungen in der Ablage verschollen. Das können Sie später erledigen. Die Highschool-Absolventen haben Vorrang.

92
Lyla Lee sitzt mit einer Freundin in einem Café.
Stella: Na, wie war dein erster Arbeitstag.
Lyla Lee: Dieser Joe Pincer ist ein Chaot. Du solltest mal seine Ablage sehen. Und ständig rufen Leute an, denen er Geld schuldet.

93
Stella: Das klingt nicht gerade nach einer Lebensstellung. Was hast du so den ganzen Tag zu tun?

94
Lyla Lee: Telefonieren. Telefonieren. Telefonieren. Ich hab bestimmt über fünfzig Anrufe gemacht.
Stella: Und alles Gläubiger? Dein Detektiv hat nicht nur Schulden, er ist völlig bankrott!

95
Lyla Lee: Stella, wenn du dir Sorgen um mich machen willst, schau dir lieber meinen armen Zeigefinger an. Der ist schon ganz dick vom vielen Nummern wählen.

96
Stella: Wenn ich dir helfen soll, sag mir wie. Oder bist du durch die berufliche Schweigepflicht gebunden?
Lyla Lee: Du kennst das doch sicher vom deinem berühmten Strafverteidiger. Ich soll ein paar Adressen überprüfen.

97
Stella: Und ob ich das kenne. "Liebe Stella, finden Sie doch bitte heraus, an welchen Tankstellen in Washington die 'Tribune' verkauft wird." Wieviele Adressen sind es denn?

98
Lyla Lee: 59. Aber ich habe nur Fotos und Namen. Die Van Dine-Highschool rückt die Adressenliste nicht heraus. Ich weiß schon nicht mehr, was ich machen soll.

99
Stella schaut auf die Uhr und steht entschlossen auf.
Stella: Ich muß los. Mein berühmter Strafverteidiger macht mal wieder Überstunden. Schau morgen früh bei mir im Büro vorbei. Dann werden wir sehen, wie ich dir auf die Sprünge helfen kann.


100
Das Geschäftsviertel der Stadt. Ein Wolkenkratzer versucht, den anderen an Höhe und Häßlichkeit zu übertreffen.
Stella: Warte einen Moment, gleich habe ich Zeit für dich!

101
Stella sitzt in einen wirklich beeindruckenden Vorzimmer, das den Besucher in Erwartung des Gewaltigen, das er im Büro des berühmten Strafverteidigers James Como erblicken soll, erschauern läßt.
Lyla Lee: Mann, in dem Büro kann man ja Baseball spielen. Da solltest du mal meines sehen.

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Stella drückt die Gabel des Telefonapparets nieder, ohne den Hörer aufzulegen..
Stella: Jetzt zu deinem Problem. Hast du mal die Nummer dieser Highschool?

103
Stella macht Lyla Lee Zeichen, sich hinzusetzen, während sie mit der S.S. Van Dine-Highschool spricht.
Stella: S.S. Van Dine-Highschool? Hier spricht das Rechtsanwalts-Büro von James Como. Wir vertreten die Interessen eines Absolventen Ihrer Anstalt in einem Vaterschaftsprozeß. Nun befürchten wir, daß die Gegenseite versuchen wird, Unterlagen verschwinden zu lassen, die wir als Beweisstücke in den Prozeß einzubringen gedenken.

104
Sie lächelt und blinzelt zu Lyla Lee hinüber, indem sie ein Auge zukneift.
Stella: Ah, Sie haben schon mehrere Anrufe von einem Detektiv-Büro erhalten? Ja, Sie haben sich ganz richtig verhalten.

105
Lyla sieht ziemlich unglücklich aus und zuckt fragend mit den Schultern. Stella achtet nicht auf die Gesten ihrer Freundin.
Stella: Hören Sie, wir möchten uns gerne davon überzeugen, daß die Unterlagen bei Ihnen auch absolut sicher sind. Eine Vertreterin unseres Büros ist auf den Weg zu Ihnen.


106
Lyla Lee: Ich komme vom Anwaltsbüro James Como. Meine Kollegin hat mich angekündigt.

107
Lyla Lee hat sich sehr seriös gekleidet, die Haare züchtig zurückgesteckt und eine Brille auf die Nase gesetzt. So steht sie der Leiterin der Schulverwaltung gegenüber. Die Verwaltungschefin der Highschool betrachtet mißtrauisch die Visitenkarte, die Lyla ihr gereicht hat. Mit der freien Hand greift sie zum Telefon.
Verwaltungschefin: Verzeihen Sie unser Mißtrauen, aber wir müssen sichergehen.

108
Die S.S. Van Dine-Highschool. Ein ehrwürdiger Backsteinbau aus dem vorigen Jahrhundert mit mehreren, teilweise neueren Nebengebäuden. Einige große Eichen unterstreichen das Alter und die Würde der Erziehungsanstalt.
Lyla Lee: Aber das ist doch selbstverständlich. Ich würde an Ihrer Stelle nicht anders handeln.

109
Die gestrenge Mitfünfzigerin hat Stella in der Leitung.
Verwaltungschefin: Anwaltsüro James Como? Richtig, wir hatten miteinander gesprochen. Ihre Mitarbeiterin ist gerade bei mir im Büro. Miß Lee, exakt. Sie entspricht genau Ihrer Beschreibung.

110
Lyla Lee: Kann ich jetzt die Unterlagen einsehen?

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Lyla Lee steht vor einem großen Aktenschrank. Eine Schublade ist halb herausgezogen. Sie hält einen Ordner mit den gewünschten Unterlagen in der Hand. Die Verwaltungschefin steht halb stolz, halb ängstlich neben ihr.
Lyla Lee: Sie schließen also das Büro jeden Abend selbst ab? Was ist mit dem Gebäude? Ist das Wachpersonal zuverlässig?
Verwaltungschefin: Sie können sich ganz auf uns verlassen. Und ich werde zusätzlich Sicherheitsschlösser an den Aktenschränken anbringen lassen.

112
Lyla wendet sich fast zum Gehen. Fast beiläufig wedelt sie mit der Akte.
Lyla Lee: Mr. Como wird sich über die gute Nachricht sicher freuen. Ach übrigens, ich kann das doch schnell mal kopieren?


113
Eine besonders heruntergekommene Ecke der Stadt. Zwischen einigen Pappkartons hat der Penner Nick Fenner seine Hausbar eingerichtet.

114
Gerade nimmt er sich einen edlen Rotwein zur Brust.

115
Plötzlich steht Joe Pincer vor ihm.
Pincer: Hallo Nick, was sagt die Leber?

116
Fenner will die Flasche von den Lippen nehmen, doch Pincer stößt ihm den Flaschenhals weit in den Rachen. Der Rotwein rinnt ihm aus den Mundwinkeln.
Pincer: Ich will dich wirklich nicht vom Trinken abhalten. Ich hab wie immer nur ein paar harmlose Fragen.

117
Nick gibt durch wildes Fuchteln zu erkennen, daß er jede Frage zu beantworten bereit ist.
Pincer: Ein guter Freund von mir ist gestern erschossen worden. Er hatte 5000 Dollar Falschgeld bei sich. Klingelt da was bei dir?

118
Joe lockert den Druck auf die Flasche. Nick gelingt es, sie soweit in die Senkrechte zu drücken, daß er wieder Luft holen und auch etwas sprechen kann.
Nick: Von deinem F...Freund weiß ich nichts, Mann! W...wirklich nicht! Aber frag doch mal Lenny Pur...Purcell. Der weiß immer, wenn neue Blüten im Umlauf sind.

119
Joe läßt Nick in Frieden und wendet sich zum Gehen.
Pincer: Wenn dir noch etwas einfällt, du kennst ja meine Telefonnummer!

120
Joe verschwindet um die Hausecke. Nick hebt die Flasche, auch um zu sehen, wieviel von dem kostbaren Nass noch drin ist.
Nick: Den Teufel werd ich! Das erzähl ich doch lieber diesem Blake, der bringt wenigstens was zu Trinken mit!


121
Lyla Lee sitzt im Vorzimmer von Pincers Büro und telefoniert. Vor ihr liegt die Adressen-Liste und ein Stapel Telefonierbücher, neben ihr steht eine Tasse Kaffee.
Lyla Lee: Ja guten Tag, hier spricht Lisa Manetti. Ich bin für zwei Tage in der Stadt und wollte wissen, ob Sie der Carson Fitzgerald sind, mit dem ich in einer Klasse auf der S.S. Van Dine-Highschool war. Sind Sie nicht? Dann entschuldigen Sie die Störung.

122
Sie macht sich Notizen.
Lyla Lee: Kein Carson Fitzgerald in dieser Stadt war in dieser Highschool. Probieren wir es mit einem anderen ausgefallenen Namen. Ebenezer Flaherty, klingt das nicht mächtig exotisch?

123
Ebenezer Flaherty geht selber an den Apparat.
Ebenezer: Ja, ich war mit einer Lisa Manetti in einer Klasse. Aber das muß eine andere Schule gewesen sein. Lisa und ich sind seit sechzehn Jahren verheiratet.

124
Frau Flaherty schaut aus der Küche in den Flur, wo ihr Mann gerade den Hörer aufgelegt hat.
Lisa: Mit wem hast du gesprochen, Schatz?
Ebenezer: Das ist wirklich komisch. Die Frau sagte, sie heißt Lisa Manetti und wäre mit mir auf der Van Dine-Highschool gewesen.

125
Lisa Flaherty ist sehr besorgt.
Lisa: Du hast dir hoffentlich keine Enzyklopädie von ihr andrehen lassen!

126
Lyla kann endlich ein Kreuz auf ihrer Liste machen. Sie macht sich dennoch Sorgen.
Lyla Lee: Ich fürchte, Joe Pincer kann diesen Monat nur eines bezahlen: entweder mein Gehalt oder seine Telefonrechnung.

127
Sie greift wieder entschlossen zum Telefon.
Lyla Lee: Aber einer guten Sekretärin geht es nicht um Geld, sondern ausschließlich um die Zuneigung ihres Chefs.

128
Das Telefon steht auf einem zierlichen Beistelltischchen und klingelt.

129
Eine ältere Frau, die ihrer leichten Gehbehinderung mit einem Stock begegnet, hebt ab.
Mrs. Tremayne: Ja, Sie sind richtig bei Tremayne. Ach, Sie waren mit Frankie in einer Klasse auf der Highschool. Wie reizend. Nein, er ist nicht zu sprechen. Er ist 1969 in Vietnam gefallen.

130
Joe Pincer betritt das Vorzimmer seines Büros durch die Außentür. Lyla hält noch den Hörer in der Hand.
Pincer: Ach, sehe ich Sie auch einmal. Wo waren Sie heute morgen?

131
Lyla ignoriert den unfreundlichen Tonfall ihres Chefs. Sie hält Pincer die Adressenliste entgegen.
Lyla Lee: Dienstlich unterwegs. Ich habe endlich die Adressenliste von Liam Jackwills Abschlußklasse bekommen. Aber nach fünfundzwanzig Jahren hat sich der Wohnort der meisten Mitschüler geändert.

132
Pincer nimmt die Liste in die Hand und betrachtet sie.
Pincer: Ich werde alle paar Jahre zu einem Ehemaligen-Treffen meiner Schule eingeladen. Vielleicht verwaltet einer von Liams Schulkameraden eine aktuelle Adressenliste.

133
Lyla schaut ein wenig zerknirscht, weil ihr das nicht selbst eingefallen ist. Joe hat schon wieder die Klinke der Ausgangstür in der Hand.
Lyla Lee: Ich werde mich darum kümmern. Sie gehen schon wieder?
Pincer: Im Gegensatz zum Job einer Sekretärin wird der Beruf eines Detektivs meist außer Haus ausgeübt.

134
Als Pincer das Gebäude verläßt, stößt er beinahe mit einem Mann in elegantem hellen Trenchcoat, mit dunklem Hut und Clark-Gable-Schnurrbart zusammen.
Pincer: Hoppla!

135
Der Unbekannte steigt die steilen Stufen zum vierten Stock hinauf, in dem sich Joe Pincers Detektei befindet.

136
Er klopft an die Glastür.
Lyla Lee: Herein!

137
Der Mann tritt ein und lüftet den Hut zum Gruß.
Blake: Ist Mr. Pincer zu sprechen?
Lyla Lee: Sie müssen ihn um Haaresbreite verpaßt haben. Kann ich Ihnen helfen?

138
Blake zieht einen Ausweis.
Blake: Johnnie Blake vom FBI. Es geht um das Falschgeld, das man bei Liam Jackwill gefunden hat. Wir glauben, daß er deswegen ermordet wurde.

139
Lyla zieht erstaunt die Augenbrauen hoch.
Lyla Lee: Wegen 5000 Dollar? Wieso hat der Mörder sie Jackwill dann nicht abgenommen, bevor er ihn in die Bucht warf?

140
Blake: Unserer Information nach war Jackwill im Besitz von einer halben Million in gefälschten Banknoten. Ihr Chef war doch mit Liam Jackwill befreundet.
Lyla Lee: Wenn er etwas von der halben Million weiß, hat er es mir nicht erzählt. Sie müssen ihn also schon selber fragen.

141
Blake geht auf Pincers Büro zu.
Lyla Lee: Da können Sie nicht hinein. Ich sagte doch, der Chef ist außer Haus.

142
Blake kümmert sich nicht um den zarten Hinweis und tritt ein. Lyla springt hinter ihrem Schreibtisch auf und läuft hinter ihm her.
Lyla Lee: Haben Sie Scheiße in den Ohren? Verlassen Sie sofort dieses Büro, oder ich rufe die Polizei!

143
Blake packt Lyla am Kragen und preßt sie gegen die Wand.
Blake: Hör mal, Schätzchen, ich werde jetzt dieses Büro durchsuchen, und wenn ich hier auch nur einen nicht ordnungsmäßig entsorgten Kaugummi finde, atmet dein Chef bis an sein Lebensende gesiebte Luft. Ist das deutlich genug?

144
Er läßt Lyla los und wendet sich dem Schreibtisch zu. Lyla ordnet ihre Bluse wieder.
Lyla Lee: Das tolle an euch Jungs vom FBI ist, daß ihr immer genau wißt, was ihr wollt.

145
Während Blake Pincers Büro auseinandernimmt, geht Lyla in ihr Vorzimmer zurück.
Blake: Setz dich an deine Schreibmaschine und halte die Klappe. Ich möchte nicht, daß du mir hier irgendwie in die Quere kommst.

146
Lyla nimmt den Hörer von der Gabel und wählt.
Lyla Lee: Keine Sorge, ich prügele mich nicht mehr mit Jungs seit ich 15 geworden bin.

147
Blake achtet nicht auf die Sekretärin, so daß Lyla eine Verbindung bekommt, bevor der FBI-Beamte auf ihr Gespräch aufmerksam wird.
Lyla Lee: 87. Polizeirevier? Verbinden Sie mich bitte mit Leuitenant Pampers. Hallo, hier ist Lyla Lee. Richtig, die neue Sekretärin von Joe Pincer. Hier nimmt gerade ein Gorilla Joes Büro auseinander...

148
Lyla hält ihm den Hörer hin.
Blake: Mit wem telefonierst du da?
Lyla Lee: Mit der Polizei. Möchten Sie Leuitenant Pampers sprechen?

149
Blake nimmt den Hörer und wendet dabei Lyla den Rücken zu. Sie nutzt das, um nach dem schweren Kaffeetopf zu greifen, der infolge der Umräumarbeiten auf dem kleinen Kocher neben ihrem Schreibtisch steht.
Blake: Hören Sie, das ist hier eine FBI-Operation. Ich kann Ihnen also nur raten, sich da rauszuhalten!

150
Lyla zieht ihm den Kochtopf über den Scheitel.

151
Anschließend nimmt sie ihm den Hörer aus der Hand.
Lyla Lee: Brad, sind Sie noch dran? Sie können den Kerl jetzt abholen lassen. Ja, er wird auf Sie warten.


152
Joe Pincer betritt eine Bar im italienischen Viertel, einer nicht sehr noblen Gegend. Der Barmann kennt den Detektiv und grüßt ihn. Durch die offene Tür sieht man genug, um die obige Beschreibung zu bestätigen.
Purcell: Was treibt dich so früh in meinen Laden, Mann. Ich mache grad erst auf.
Pincer: Hi, Lenny!

153
Der Barmann wirbelt geschäftig hinter seiner Theke herum. Joe setzt sich auf einen der hohen Barhocker.
Purcell: Du bist heute ja nicht sehr gesprächig. Bourbon, wie immer?

154
Da Pincer nicht widersprochen hat, stellt Purcell ihm ein Glas Whisky hin.
Pincer: Nick Fenner schickt mich.
Purcell: Nick Fenner? Kenn ich nicht. Bin noch nie einem Nick Fenner begegnet.

155
Joe packt den schmächtigen Barkeeper über die Theke hinweg am Kragen.
Pincer: Soso, kennst du nicht? Ich dachte immer, er bezieht seinen gepanschten Rotwein von dir. Fenner, der Penner. Immer noch keine Vorstellung?
Purcell: Ach, Bugs. Du meinst Bugs. Den kenn ich natürlich, klar.

156
Joe drückt Lennys offene Hand auf die Theke. Mit der anderen Hand greift er zu einem schweren Bierglas und hält es drohend über den Handrücken des Barmanns.
Pincer: Sieh an, ich muß meine Fragen also nur mit mehr Nachdruck stellen. Und nun erzähl mir was über Falschgeld.

157
Purcell wird durch die Drohung nun doch sehr gesprächig.
Purcell: Scheiße, ich weiß nichts über Falschgeld! Mir hat seit Jahren keiner mehr welches anzudrehen versucht. Ich bin doch nicht blöd, und das wissen die Leute.

158
Joe haut das Bierglas mit voller Wucht auf die Theke, nur wenige Milimeter neben Purcells kleinen Finger.
Pincer: Du hast mich noch nicht überzeugt, Lenny!

159
Purcells Augen folgen ängstlich dem wieder zum Schlag erhobenen Bierglas.
Purcell: Da fällt mir ein, daß Valentine Corliss von einer Menge Falschgeld gesprochen hat, das beim FBI verschwunden sein soll. Aber das Geld ist nie wieder aufgetaucht.

160
Joe stellt das Bierglas auf den Handrücken von Purcell, der immer noch nicht wagt, seine Hand wegzuziehen, obwohl der Detektiv sie losgelassen hat.
Pincer: Das war doch schon sehr schön. Wo finde ich diesen Corliss?


161
87. Polizeirevier. Büro von Brad Pampers. Pampers legt Lyla Lee gerade eine Abschrift ihrer Aussage zur Unterschrift vor.
Pampers: Lesen Sie Ihre Aussage genau durch und unterschreiben Sie dann bitte auf der gestrichelten Linie.

162
Lyla unterschreibt.
Lyla Lee: Dieser Blake ist also wirklich vom FBI? Den Ausweis hätte sogar meine Oma im Kartoffeldruck fälschen können.

163
Vor dem Büro entsteht ein ziemlicher Krach. Pampers schaut ärgerlich zur Tür.
Pampers: Was ist denn draußen bloß los? Veranstalten die da ein Rodeo?!

164
Ein ziemlich erboster Joe Pincer stürmt das Büro.
Pincer: Also hier treiben Sie sich herum, statt im Büro, wo Sie hingehören! Wie kommen Sie dazu, einen FBI-Agenten niederzuschlagen! Das kann mich meine Lizenz kosten!

165
Lyla Lee: Die Schauergeschichte hat sich also schon bis zu Ihnen herumgesprochen. Kann ich gehen, Brad, oder brauchen Sie mich noch?

166
Pampers: Wir haben Ihre Aussage aufgenommen. Wenn Mr. Blake keine Anzeige erstattet, und im Moment sieht es nicht danach aus, werden Sie in dieser Angelegenheit auch nichts mehr von uns hören.


167
Lyla Lee verläßt das Polizeirevier, einen häßlichen Bau zwischen einem Chinarestaurant und einem Billardsalon. Der Detektiv rennt drei Schritt hinter ihr aus dem Gebäude.
Lyla Lee: Haben Sie Ihren Wagen da? Dann können Sie mich bei einem Mitschüler von Liam Jackwill absetzen. Jack Ripley hat eine aktuelle Adressenliste für mich.

168
Pincer hält in einem Anflug von Höflichkeit Lyla die Autotür auf.
Pincer: Ripley war also in Liams Klasse? Wie klein doch die Welt ist!

169
Joe fädelt mit brachialem Fahrstil in den Verkehr ein.
Pincer: Mit dem Herrn werde ich auch noch paar Worte wechseln müssen. Wieso war Liam am Abend seiner Ermordung nicht bei seiner Pokerrunde?


170
Jack Ripley drückt Lyla die versprochene Adressenliste in die Hand. Sie stehen im Flur seines Appartments, denn Jack hat den Detektiv nicht hereingebeten.
Ripley: Wir haben etwa zwanzig Minuten auf Liam gewartet. Als er nicht kam, haben wir zu dritt gepokert. Bob Kanew, Matt Halsey und ich. Liam hätte sicher angerufen, wenn er gekonnt hätte. Ich glaube, er war schon tot.

171 Joe Pincer versucht seinen Gegenüber einzuschüchtern, greift aber in Gegenwart einer Dame nicht zu seinen bewährten Mitteln.
Pincer: Liam ist erst gegen drei Uhr gestorben. Erzählen Sie mir also keine Märchen. Liam war da und hat 5000 Dollar gewonnen. So war es doch!

172
Ripley ist mehr erstaunt als erschreckt.
Ripley: 5000 Dollar? Bei uns hat nie einer mehr als 20 Dollar gewonnen. Außerdem ist Liam nicht gekommen. Wir haben ohne ihn gespielt.

173
Lyla zieht Pincer aus der Wohnung: Pincer schreit wütend durch die offene Tür.
Pincer: Glaub ja nicht, daß du so davonkommst! Ich prügel die Wahrheit aus dir raus, wenn es sein muß!
Lyla Lee: So sieht also Ihre Detektivarbeit aus. Vielleicht sollten Sie besser im Büro bleiben, und ich befrage die Leute.

174
Ripley schließt schnell die Tür hinter ihnen. Joe ordnet seine Kleidung, die durch Lylas resoluten Einsatz etwas derangiert wurde.
Pincer: Ach ja? Wer von uns schlägt denn am laufenden Band FBI-Beamte nieder! Sie oder ich?

175
Pincer fährt Lyla ins Büro zurück. Lyla betrachtet die Adressenliste.
Lyla Lee: Immerhin habe ich endlich die aktuelle Liste. Soll ich wirklich damit weitermachen? Oder glauben Sie, diese Pokerspieler hätten Ihren Freund auf dem Gewissen?

176
Joe setzt Lyla vor dem Bürogebäude ab.
Pincer: Überprüfen Sie die Liste! Wenn sich einer um Ripley und seine Freunde kümmert, bin ich das.


177
Lyla sitzt im Büro an ihrem Schreibtisch. Sie vergleicht die verschiedenen Listen, die sie mittlerweile bekommen hat mit dem Album des Abschlußjahrgangs.
Lyla Lee: Auf der neuen Liste fehlen elf Namen. Unbekannt verzogen oder verstorben, wie Frankie Tremayne. Hoppla!

178
Lyla betrachtet das Bild im Album genauer.
Lyla Lee: So sah Frankie Tremayne also aus. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Fünfundzwanzig Jahre älter, ein Schnurrbart...

179
Bild von Frankie Tremayne. Auch dem Leser kommt das Gesicht bekannt vor.
Lyla Lee: Blake! G-Man Johnnie Blake vom FBI. Und angeblich seit über zwanzig Jahren tot.


180
Joe Pincer parkt seinen Wagen vor einem Hydranten in einer mittelprächtigen Geschäftsgegend. Die Hochhäuser sind schon älter und nicht mehr die allererste Adresse. Joe steigt aus.

181
Auf einer der Metalltafeln am Eingang findet er den Namen, nach dem er gesucht hat: Valentine Corliss, Anlageberater.

182
Die Sekretärin schaut überrascht auf den Detektiv, dessen Aussehen nicht so ganz dem der täglichen Kunden entspricht.
Sekretärin: Sir, haben Sie einen Termin mit Mr. Corliss?
Pincer: Nein, Mr. Corliss hat einen Termin mit mir!

183
Joe tritt einfach ein. Die Sekretärin ist weniger energisch als Lyla Lee. Sie kann nur noch durch die Wechselsprechanlage Pincers Besuch ankündigen.
Sekretärin: Mr. Corliss, der Herr möchte Sie sprechen, hat sich aber nicht vorgestellt. Soll ich den Sicherheitsdienst rufen?

184
Die Tür fällt hinter Joe ins Schloß. Die Sekretärin wartet auf Anweisungen ihres Chefs, doch die kommen nicht.
Sekretärin: Mr Corliss? Mr. Corliss, was soll ich tun?

185
Die Stimme aus der Wechselsprechanlage ist sicherlich nicht die von Valentine Corliss. Die Sekretärin zuckt förmlich zusammen.
Pincer: Halte Sie den Mund, Sie dumme Pute! Lackieren Sie sich die Nägel oder kochen Sie meinetwegen Lindenblütentee.

186
Die Sekretärin kocht keinen Lindenblütentee. Sie telefoniert mit dem Wachdienst.
Sekretärin: Mr. Mayer, schicken Sie sofort zwei Sicherheitsbeamte in das Büro von Mr. Corliss! Beeilen Sie sich bitte. Ich habe Angst um Mr. Corliss...

187
Die Tür zum Büro öffnet sich wieder und Pincer komm heraus. Valentine Corliss sitzt an seinem Schreibtisch und hält sich ein Taschentuch an die blutenden Lippen.
Pincer: Ich wußte doch, daß Sie kooperieren würden, wenn ich die richtigen Argumente finde. Ich werde Mr. Gutman von Ihnen grüßen.

188
Im Türrahmen zum Flur dreht sich der Detektiv noch einmal zu der hinter ihrem Schreibtisch erstarrten Sekretärin um.
Pincer: Verzeihen Sie meine harten Worte. Ich wollte damit natürlich nichts gegen Lindenblütentee sagen!

189
Als die Sicherheitsleute ins Büro stürmen, kümmert sich die Sekretärin fürsorglich um ihren Chef. Sie wirft den Männern einen vorwurfsvollen Blick zu.
Sekretärin: Konnten Sie nicht schneller kommen? Schauen Sie nur, was dieser Unhold mit Mr. Corliss gemacht hat!


190
Lyla Lee sitzt im Büro und überprüft telefonisch die Alibis der Mitschüler.
Lyla Lee: Mrs. Brown? Hier Radio Free Amerika. Sie haben am Dienstag in unserer Nachtsendung "Tops und Flops" einen Trostpreis gewonnen. Sie waren doch am Dienstag zu Hause und haben unsere Sendung gehört?

191
Lyla macht sich Notizen.
Lyla Lee: Ach, Sie waren bei Ihrer Schwester in Woodstock. Dann war das wohl eine andere Mrs. Brown. Aber Sie können den Preis trotzdem gewinnen, wenn Sie uns eine Frage beantworten.

192
Die Sekretärin lehnt sich genüßlich zurück.
Lyla Lee: Also, hören Sie genau zu: wer spielte 1971 bei der Europa-Tournee der Gruppe "Vanilla Fudge" das Schlagzeug?


193
Lyla und Stella sitzen in einem kleinen Restaurant, das einer Hotdog-Bude ähnlicher ist als einem Nobelschuppen.
Stella: Und wieviele haben den Trostpreis gewonnen?

194
Lyla macht sich gerade über eine Portion Pastrami her.
Lyla Lee: Nur einer, aber der wollte den Kaktus garnicht haben. Ich hab gestern neununddreißig von Liams Mitschülern erreicht. Achtundzwanzig von ihnen wohnen in anderen Bundesstaaten oder waren am Dienstag nicht in der Stadt.

195
Stella nimmt von der Bedienung ihr bestelltes Abendessen entgegen. Dennoch schenkt sie einen großen Teil ihrer Aufmerksamkeit den Ausführungen ihrer Freundin.
Stella: Du meinst, achtundzwanzig behaupten, nicht in der Stadt gewesen zu sein. Wenn du die alle noch einmal überprüfen willst, bist du bis Weihnachten beschäftigt. Und die anderen waren natürlich alle zu Hause und haben geschlafen?

196
Lyla zeigt auf Stellas Bestellung.
Lyla Lee: Ich dachte immer, du wolltest abnehmen. Oder steht der große James Como neuerdings auf Mollige? Hat dein Chef übrigens auch so verrückte Ideen? Da wird ein Mann ermordet, und Joe Pincer verdächtigt neunundfünfzig Mitschüler. Vielleicht haben sie die Tat ja gemeinsam begangen und decken sich nun gegenseitig!

197
Stella schaufelt ungeachtet der Bemerkung ihrer Freundin das Essen in sich hinein.
Stella: Was sagt dein Chef zu Tremayne? Oder weiß er noch nichts davon?
Lyla Lee: Ich hab ihm einen Zwischenbericht auf den Schreibtisch gelegt. Aber ich bin gar nicht sicher, daß er überhaupt lesen kann.


198
Die Uhr über der Tür zu Joe Pincers Büro zeigt halb 11 Uhr, als der Detektiv das Vorzimmer durch die Außentür betritt.
Pincer: Was ist los? Haben wir heute einen gesetzlichen Feiertag, den ich übersehen habe?

199
Auf dem Schreibtisch von Lyla Lee liegt ein Zettel. Joe nimmt ihn und liest ihn.
Pincer: "Bin unterwegs, um Alibis zu überprüfen. Wenn Tony Wendice anruft, Gespräch bitte annehmen. Lyla Lee."

200
Während er noch unschlüssig vor dem Schreibtisch steht, klingelt das Telefon.
Pincer: Ah, es geht schon los.

201
Joe nimmt den Anruf reichlos fassungslos entgegen.
Pincer: Wen möchten Sie sprechen? Schönheitssalon Aphrodite? Sie hatten also am Dienstag keinen Termin, möchten aber trotzdem die Flugreise gewinnen? Wollen Sie mich verarschen?!


202
Lyla Lee, mit Perücke und Brille entstellt, betritt die Vortreppe eines mehrstöckigns Hauses in einer nicht sehr vornehmen Gegend. Auf der Treppe ist eine etwa fünfzigjährige Frau in einer gepunkteten Schürze mit dem Besen zugange. Lyla drückt auf einen der Klingelknöpfe neben der Tür.
Mrs. Hill: Zu wem möchten Sie?
Lyla Lee: Zu Mrs. Beresford. Aber sie meldet sich nicht.

203
Mrs. Hill: Um diese Zeit ist sie noch bei der Arbeit.
Lyla Lee: Vielleicht können Sie mir ja weiterhelfen, Mrs...?

204
Mrs. Hill unterbricht ihre Arbeit und wendet sich der Besucherin zu.
Mrs. Hill: Hill. Aber wenn es um Geld geht, sind Sie bei mir an der falschen Adresse!

205
Lyla steigt einige Stufen hinab, um nicht während des ganzen folgenden Gesprächs nach unten schauen zu müssen.
Lyla Lee: Ich heiße Bess Ford. Ich bin erst kürzlich in diese Straße gezogen. Am Dienstag abend habe ich eine wichtige Eilpostsendung erwartet, doch sie ist bis heute nicht gekommen. Und da dachte ich, vielleicht hat Mrs. Beresford die Sendung bekommen. Wegen der Namensähnlichkeit, Sie verstehen...

206
Mrs. Hill denkt angestrengt nach.
Mrs. Hill: Dienstag sagen Sie? Also, mir ist nichts aufgefallen.
Lyla Lee: War Mrs Beresford denn zu Hause?

207
Mrs Hill: Ich hab sie nicht weggehen sehen. Da fällt mir ein: Mrs Beresford war am Montag beim Arzt. Er hat sie für zwei Tage krank geschrieben. Also war sie am Dienstag sicher zu Hause.


208
Joe Pincer sitzt ziemlich genervt in seinem Büro. Schon wieder muß er ein Telefonat entgegennehmen.
Pincer: Mr. Wendice? Ja, ich habe Ihren Anruf erwartet. Nein, ich werde Ihrer Frau nichts von diesem Telefonat erzählen. Dienstag nacht... ein Motel am Freemont Drive. Und Sie waren nicht allein. Ich notiere die Adresse.


209
Lyla Lee hält ihren Wagen vor einem in der Vorstadt gelegenen Einfamilienhaus mit Vorgarten. Der Herr des Hauses macht sich gerade mit einer Heckenschere über alle die geometrische Strenge durchbrechenden Triebe her.
Lyla Lee: Bin ich hier richtig bei Eddie Duane?

210
Der Mann legt die Heckenschere beiseite.
Mann: Mr. Duane wohnt gegenüber.

211
Lyla steigt aus dem Wagen.
Lyla Lee: Da ich Sie gerade treffe, kann ich Sie ja gleich befragen. Es geht nämlich um eine Versicherungssache. In Mr. Duanes Garten wurden Dienstag nacht einige Gartenmöbel beschädigt. Sie haben nichts beobachtet?

212
Der Mann ist etwas erstaunt.
Mann: Tut mir leid, da ich habe wohl geschlafen. Eddie hat mir auch gar nichts davon erzählt.

213
Lyla tritt an die Hecke.
Lyla Lee: Und Ihre Fau hat auch nichts bemerkt?
Mann: Meine Frau ist vor drei Monaten gestorben.


214
Joe Pincer steigt vor der Glasfassade eines Wolkenkratzers aus seinem Wagen.
Pincer: Diese unsinnigen Anrufe haben mich doch glatt zwei Stunden gekostet. Hoffentlich erwische ich Mr. Gutman noch vor der Mittagspause.

215
Der Detektiv betritt die gekachelte Eingangshalle des Geschäftshauses. Zwei Wachmänner stehen unbeteiligt herum, ein dritter stellt sich ihm sofort in den Weg.
Wachmann: Kann ich Ihnen helfen, Sir?
Pincer: Klar. Bringen Sie mich zu Mr. Gutman.

216
Der Wachmann läuft nun neben Joe her. Sie gehen auf den Fahrstuhl zu.
Wachmann: Wenn Sie mir bitte folgen wollen, Sir.

217
Sie fahren schweigend im Fahrstuhl nach oben.

218
Im 41. Stockwerk betreten sie einen Vorraum von der Größe einer Bankschalterhalle. Neben einer großen Tür mit Holzintarsien steht der Schreibtisch der Chefsekretärin.
Pincer: Danke. Ich glaube, den restlichen Weg finde ich alleine.
Wachmann: Das bezeifle ich keineswegs, Sir. Aber ich habe meine Anweisungen.

219
In diesem Moment verläßt Mr. Gutman, ein großer dicker Mann, sein Büro, begleitet von zwei Leibwächtern und einem schmächtigen Mann im weißen Anzug. Der Detektiv geht schnell auf ihn zu, der Wachmann bleibt nur einen Schritt hinter ihm.
Pincer: Schön, daß ich Sie gerade noch erwische, Mr. Gutman. Valentine Corliss schickt mich zu Ihnen. Sie wissen sicher, um was es geht.

220
Gutman geht an Pincer vorbei, ohne ihn überhaupt zu beachten. Er redet mit seinen Gesprächspartner.
Gutman: Dieser Industriezweig ist für uns uninteressant geworden. Die Anteile an Weston Industries stoßen Sie zum bestmöglichen Tageskurs ab, ebenso alle Presley-Aktien und...

221
Pincer packt Gutman am Arm.
Pincer: Hey Mann, ich rede mit Ihnen!

222
Die Fahrstuhltür in der Eingangshalle öffnet sich. Der Wachmann kommt rückwärts heraus, offensichtlich einen dem Blick noch verborgenen Gegenstand hinter sich herziehend.
Wachmann: Das hätten Sie wirklich nicht tun sollen. Mr. Gutman ist manchmal ein wenig empfindlich.

223
Der Gegenstand ist Joe Pincer, der aussieht, als wäre er durch die Mangel gedreht worden.
Wachmann: Ich bringe Sie noch bis vor die Tür, Sir. Soll ich Ihnen ein Taxi rufen lassen?


224
Lyla Lee klingelt an einem mehrstöckigen Wohnhaus aus den zwanziger Jahren. Eine Stimme aus dem Lautsprecher zeigt an, daß jemand zu Hause ist.
Jeffries: Ja, wer ist da?

225
Lyla Lee: Kann ich Sie einen Augenblick sprechen, Mr. Jeffries?
Jeffries: Worum geht es?

226
Lyla Lee: Ich glaube, ich habe am Dienstag abend Ihren Wagen angefahren. Aber müssen wir das hier an der Haussprechanlage bereden?
Jeffries: Kommen Sie rauf.

227
Lyla betritt den Flur der Wohnnung. Mr. Jeffries ist nicht zu sehen.
Lyla Lee: Mr. Jeffries, wo sind Sie denn?
Jeffries: Nur immer weiter. Ich bin hier hinten.

228
Mr. Jeffries sitzt in einem Schaukelstuhl am offenen Fenster, das auf einen Hinterhof hinausgeht, das eingegipste rechte Bein auf einen Schemel gelegt. Auf einem weiteren Hocker neben ihm liegt ein Feldstecher, auf einem Regal eine Fotoausrüstung. Lyla tritt ins Zimmer. An den Wänden hängen Fotos eines Autorennens.
Jeffries: Sie sind also Dienstag nacht gegen meinen Wagen gefahren. Was hat Sie denn zu so später Stunde auf den Autofriedhof geführt?
Lyla Lee: Ich fürchte, Sie haben mich ertappt, Mr. Jeffries.

229
Jeffries: Sie kommen wegen Liam Jackwill, habe ich recht. Er wurde Dienstag nacht ermordet. Ich hab ihn übrigens noch vor drei Wochen gesehen, kurz vor meinem Unfall. Zusammen mit Frankie.

230
Lyla Lee: Frankie?
Jeffries: Ja, Frankie Tremayne, einem alten Schulfreund von Liam. Sie waren schon damals unzertrennlich.

231
Lyla nimmt den Feldstecher vom Hocker und setzt sich.
Lyla Lee: Und hat Sie das nicht überrascht? Ich meine, Frankie gilt seit zwanzig Jahren als tot...

232
Lyla schaut durch den Feldstecher auf den Hinterhof.
Jeffries: Ach wissen Sie, ich habe nie an den Tod von Frankie geglaubt. Er soll angeblich mit dem Hubschrauber in Vietnam abgestürzt sein. Aber er war nie Vietnam. Er fing damals gerade beim FBI an und machte eine Spezialausbildung in Miami. Ich vermute, er war anschließend bei einem Killerkommando in Südamerika.


233
Joe Pincer wankt die Treppe zu seinem Büro hinauf. Er ist nur notdürftig verpflastert.

234
Er betritt das Vorzimmer. Es ist noch unordentlicher als schon zuvor. Lylas abgebrochener Systematisierungsversuch hat schon eine gewisse Umstrukturierung gebracht. Nun ist der schmale Grat von der Unordnung zum Chaos überschritten.
Pincer: Ich hätte keine Sekretärin, sondern eine Putzfrau einstellen sollen!

235
In Joes Büro sieht es aus wie nach einer Explosion. Der Anblick der Verwüstung verschlägt dem Detektiv fast die Sprache.
Pincer: Hölle und Granaten!

236
Pincer rückt den Wandkalender gerade.
Pincer: Wenn hier einer was gesucht hat, hat er es in dem Chaos bestimmt nicht gefunden.

237
Das Telefon klingelt. Joe versucht unter den Trümmern den Apparat zu finden.
Pincer: Wo zum Teufel ist das Telefon abgeblieben?

238
Er findet das Gesuchte fast zuunterst im Papierkorb. Er nimmt den Hörer ab und meldet sich.
Pincer: Detektivbüro Joe Pincer. Was kann ich für Sie tun?

239
Am anderen Ende meldet sich Ebenezer Flaherty.
Flaherty: Hallo, hier Ebenezer Flaherty. Liam Jackwill hat mir Ihre Nummer gegeben. Hören Sie, ich habe da einen äußerst seltsamen Anruf erhalten, und da dachte ich, er könnte im Zusammenhang mit Liams Ermordung stehen.

240
Joe ist sehr interessiert.
Pincer: Wie war der Name? Lisa Manetti... Ach, das ist Ihre Frau. Und sie hat Sie angerufen? Ich verstehe. Ja, es war völlig richtig, daß Sie mich informiert haben.

241
Kaum hat Joe aufgelegt, klingelt es erneut.
Pincer: Geht das schon wieder los! Ich brauch ja bald zwei Sekretärinnen.

242
Doch diesmal ist Lyla am Apparat. Sie steht an einer belebten Straßenkreuzung in einer öffentlichen Telefonzelle.
Lyla Lee: Hallo Chef, hier ist Lyla. Haben Sie meinen Zwischenbericht gefunden? Zu spät? Wieso ist es zu spät? Eine kurze Zusammenfassung, klar, sollen Sie haben.

243
Pincer macht sich Notizen auf der Rückseite des Wandkalenders.
Pincer: Okay, ich gebe zu, Sie hatten recht. Aber Sie hätten ruhig etwas härter zuschlagen können, dann sähe mein Büro jetzt nicht aus wie nach der Schlacht von Gettysburg.

244
Lyla ist ein wenig enttäuscht.
Lyla Lee: Ich soll weiter die Alibis überprüfen? Was soll jetzt dabei noch herauskommen? Johnnie Blake alias Frankie Tremayne ist unser Mann! Na gut, wenn Sie meinen...

245
Joe legt den Hörer auf die Gabel.
Pincer: Und jetzt kauf ich mir diesen Arsch vom FBI.

246
Er ruft Brad Pampers an.
Pincer: Hallo Brad. Ich hatte grade Besuch von Johnnie Blake. Er hat aber keine Visitenkarte hinterlassen. Kannst du ihm ausrichten, daß ich ihn treffen möchte. Ich hab etwas für ihn.


247
Ein vornehmer Salon, in dem gerade Kaffee gereicht wird. Vier Damen jenseits der Vierig sitzen um ein zierliches Tischchen und knabbern an ihrem Gebäck. Ein livrierter Diener führt Lyla herein.
Diener: Miss Lyla Lee.

248
Lyla wird zwischen die Damen auf das Sofa plaziert und von allen Seiten mit Fragen überhäuft. Neben der Gastgeberin Vivian Rutledge sind deren Freundinnen Janet Walker, Mrs. Wilson und Mrs. Atwater anwesend.
Mrs. Wilson: Sie kommen sicher wegen dem armen Mr. Jackwill. Schrecklich, daß das passieren mußte.
Janet: Ist es nicht ungeheuer aufregend, als Privatdetektivin zu arbeiten?
Mrs. Atwater: Ja, erzählen Sie!

249
Vivian Rutledge reicht Lyla ein Tässchen Kaffee.
Vivian: Aber Kinder, laßt Miss Lee sich doch erst einmal setzen. Und sicher hat sie auch Fragen, die sie uns stellen will.

250
Lyla versucht, dem Ambiente und dem kostbaren Geschirr gerecht zu werden.
Lyla Lee: Mrs. Rutledge, vielen Dank, daß Sie mich empfangen haben. In der Tat versuche ich, das Verbrechen aufzuklären, dem Ihr ehemaliger Schulkamerad Liam Jackwill zum Opfer gefallen ist. Der Mord geschah Dienstag nacht zwischen halb drei und halb vier.

251
Mrs. Rutledge reicht Lyla den Teller mit Gebäck.
Vivian: Ein paar Kekse? Jetzt möchten Sie sicher wissen, was ich am Dienstag zur angegebenen Zeit gemacht habe. Nun, ich denke, ich habe geschlafen. Und mein Mann auch. Er kann mir also kein Alibi geben. Bin ich jetzt verdächtig?

252
Lyla Lee: Wenn Sie jetzt noch ein handfestes Mordmotiv haben, sieht die Sache allerdings böse für Sie aus. Haben Sie Jackwill seit der Highschool jemals gesehen?

253
Vivian: Liam habe ich zuletzt vor etwa vier Jahren getroffen. Aber Marny kam ein paar mal zu meinem Kaffeekränzchen. Marny Jackwill, Liams Frau.
Mrs. Wilson: Die arme Marny.

254
Lyla stellt ihre Kaffeetasse auf das Tischchen und holt aus ihrer Handtasche Notizblock und Kugelschreiber.
Lyla Lee: Sie kennen Marny Jackwill also näher?
Vivian: Näher kann man eigentlich nicht sagen. Lina McLaidlaw brachte sie gelegentlich mit.

255
Vivian: Lina war eine Klassenkameradin von Liam und mir. Sie kam vor drei Monaten bei einem Autounfall ums Leben.
Mrs. Atwater: McLaidlaw war aber nur ihr Mädchenname.
Mrs. Wilson: Arme Lina! Und ihr Mann hat sie so geliebt.

256
Janet: Er hat sich schnell getröstet. Wißt ihr nicht, was man sich erzählt? Er soll die ganze Zeit eine Geliebte gehabt haben. Und angefangen hat das schon lange vor Linas Unfall.


257
Eine Großbaustelle am Rande der Stadt. Die Arbeiter haben das Gelände bereits verlassen. Der etwa zwanzig Stockwerke hohe Rohbau ragt weithin über die Ebene.

258
Joe Pincer verläßt den Highway und biegt in die mit Erde verschmierte Auffahrt zur Baustelle ab.

259
Neben einer gewaltigen Baumaschine bringt er den Wagen zum Stehen und steigt aus.

260
Der Detektiv blickt sich um.
Pincer: Blake, wo stecken Sie?

261
Ein Klammereisen fliegt wenige Zentimeter an seinem Kopf vorbei und landet vor seinen Füßen.
Pincer: He!

262
Er schaut nach oben, wo er Blake im zehnten Stockwerk stehen und winken sieht. Er brüllt zu ihm hinauf.
Pincer: Du Scheißkerl! Wenn du mich jetzt schon umbringst, wirst du nie erfahren, wo dein Freund Liam die halbe Million versteckt hat!

263
Blake winkt weiter und ruft hinunter.
Blake: Du hast das Geld also doch! Komm rauf und wir reden darüber.

264
Joe Pincer fährt mit dem Transportlift entlang der Hauswand nach oben.

265
Die gezogene Waffe im Anschlag erreicht er den 10. Stock.

266
Joe springt vom Lift auf den Betonboden. Blake ist nicht zu sehen.
Pincer: Was sollen die Spielchen, Blake. Komm raus und zeig dich!

267
Blake tritt hinter einem Stahlbetonpfeiler hervor. Er hält ebenfalls eine Schußwaffe in der Hand.
Blake: Okay, wir haben offensichtlich eine Patt-Situation. Was schlägst du vor, Pincer?

268
Die beiden stehen sich im Abstand von nur wenigen Metern gegenüber, beide nicht gewillt, dem anderen einen Vorteil einzuräumen.
Pincer: Abrüstung. Ich bin dafür, daß wir wie vernünftige Menschen miteinander reden.
Blake: Okay. Ich bin sogar bereit, den ersten Schritt zu tun.

269
Blake bückt sich und legt die Pistole vor sich auf den Boden.
Blake: Du siehst, daß ich dir voll und ganz vertraue, Pincer.

270
Blake steht wieder auf. Joe läßt nun ebenfalls den Revolver fallen.
Pincer: Und wie geht es nun weiter, Blake? Oder soll ich Frankie Tremayne sagen?

271
Blake grinst ungerührt.
Blake: Du hast das große Geheimnis also gelüftet. Gratuliere. Aber das spielt keine Rolle. Ich arbeite schon lange nicht mehr in der Auslands-Abteilung. Du weißt, was ich von dir will.

272
Die beiden Kontrahenten geben langsam ihre Konfrontationsstellung auf und gehen nebeneinander, wenn auch in gebührendem Abstand, zur anderen Seite des Gebäude.
Pincer: Wir sprechen doch von der selben Sache? Also gut, reden wir Klartext.
Blake: Ich höre.

273
Pincer: Aus der Asservatenkammer des FBI ist Falschgeld verschwunden. Man spricht von einer halben Million Dollars. Eine schöne Summe, selbst wenn man im Verkauf nur ein Fünftel der Summe erzielt. Und dann haben wir da zwei alte Freunde. Der eine arbeitet beim FBI, der andere wird ermordet und hat 5ooo Dollar Falschgeld bei sich.

274
Sie haben die andere Seite des Gebäudes erreicht. Von hier hat man freien Blick auf die Skyline der Stadt.
Pincer: Aber der Rest des Geldes wird nicht gefunden. Und FBI-Mann Blake trampelt plötzlich überall herum und stellt dumme Fragen. Ja, er stellt nicht nur Fragen, er bricht auch in das Büro eines angesehenen Privatdetektivs ein und stellt es völlig auf den Kopf. Wie bist du übrigens reingekommen?
Blake: Mit einer Haarklammer.

275
Pincer: Aber du hast das Geld nicht bei mir gefunden. Hast du wirklich geglaubt, ich verstecke eine halbe Million in meinem Büro? Und das, nachdem ein FBI-Agent so offensichtliches Interesse an meinen Räumlichkeiten gezeigt hat!

276
Blake und Pincer stehen etwa zwei Meter von einander entfernt und schauen zu, wie die Skyline in der Abendsonne leuchtet.
Blake: Komm endlich zur Sache, Pincer. Wo stecken die Blüten?
Pincer: Ich kann eine halbe Million genau so gut gebrauchen wie du. Also, warum sollte ich dir das Geld geben?

277
Blake: Zum Beispiel, weil der Besitz von Falschgeld strafbar ist.
Pincer: Das ist natürlich ein Gesichtspunkt. Aber ich werde das Geld nur dem zuständigen Mann beim FBI aushändigen. Und das ist Jimmy Doyle. Kennst du ihn zufällig?

278
Der Rohbau steht als schwarze Silhouette vor dem roten Abendhimmel.
Blake: Ich sehe, du hast dich informiert. Vielleicht kann ich dich aber doch noch überreden. Was sagst du zu 40 Prozent, das war Liams Anteil. Ein faires Angebot.
Pincer: Fair? Ich habe das Geld, das sind 100 Prozent. Oder willst du mich anzeigen?
Blake: Wenn du auch nur einen Dollar von dem Falschgeld ausgibst, schnapp ich dich.
Pincer: Wie lange kannst du mich beschatten? Ein Jahr, zwei Jahre? Ich kann warten. Du hast mir nichts zu bieten.
Blake: Du glaubst doch nicht, daß ich so einfach zuschaue, wie du eine halbe Million einsackst. Meine halbe Million!

279
Joe hebt die Hände.
Pincer: Ah, jetzt kommen wir zum Thema. Willst du mich auch umbringen, so wie Liam?

280
Blake verliert zum ersten Mal die Fassung.
Blake: Du glaubst, ich habe...? Liam war mein Freund! Meinst du, ich hätte ihm das Geld gegeben, wenn ich ihm nicht vertraut hätte?

281
Der Detektiv bohrt nach. Die eben noch defensive Haltung schlägt um in Aggression.
Pincer: Du hast Liam die Blüten gegeben, damit er einen Geldwäscher besorgt. Aber unser ehrbarer Freund hat dich geleimt. Liam, der Mann mit den zwei Gesichtern: Jackwill und Hyde!

282
Der Mann, der früher einmal Frankie Tremayne hieß, ist weiter auf dem Rückzug.
Blake: Okay, ich habe das Falschgeld besorgt, und Liam hat mich hintergangen. Aber ich habe ihn nicht umgebracht. Das mußt du mir glauben. Wir haben Dienstag nacht eine Spielhölle auseinandergenommen. Du kannst ja Jimmy Doyle fragen, wenn du ihn so gut kennst.

283
Joe gibt sich mit der Antwort vorerst zufrieden.
Pincer: Gut, nehmen wir also an, du hast Liam nicht auf dem Gewissen. Aber kannst du dir vorstellen, welche Genugtuung ist für einen kleinen Privatdetektiv ist, einen korrupten FBI-Mann ans Messer zu liefern? Ganz zu schweigen davon, daß du mein Büro demoliert hast!

284
Blake steckt verärgert die Hände in die Taschen.
Blake: Ich bin seit über zwanzig Jahren in unserem Verein. Keiner wird dir glauben, Pincer! Es sei denn, du hast unser Gespräch mitgeschnitten.

285
Er zieht plötzlich eine zweite Pistole.
Blake: Ich möchte sehen, was du in den Taschen hast! Los, pack aus!

286
Joe ist nicht sonderlich überrascht.
Pincer: Du treibst ein doppeltes Spiel. Und du bist ein Dieb. Willst du auch noch zum Mörder werden?
Blake: Du glaubst, ich schieße nicht? Was meinst, was ich die ganzen Jahre in Südamerika gemacht habe. Gänseblümchen gepflückt?

287
Joe scheint nachzugeben. Er steckt ebenfalls die Hände in die Taschen.
Pincer: Okay, du hast gewonnen.
Blake: Ganz langsam! Und keine Tricks!

288
Joe zieht mit der einen Hand einen kleinen Cassettenrecorder aus der Tasche.
Pincer: Nummer eins.

289
Mit anderen Hand fördert er aus der Hosentasche eine Eierhandgranate zutage.
Pincer: Und Nummer zwei!

290
Der FBI-Mann ist lange genug im Geschäft, um den Gegenstand in Pincers Hand zu erkennen.
Blake: Mach keinen Quatsch. Ich will nur die Cassette. Du willst uns doch nicht beide in die Luft sprengen?!
Pincer: Du kannst es ja mal darauf ankommen lassen!

291
Joe wirft seinem Gegenüber die Handgranate zu. Der ist für einen Augenblick abgelenkt, als er versucht, das Ding zu fangen.
Pincer: Hepp!

292
Diesen Augenblick nutzt Pincer, um den Cassettenrecorder fallenzulassen und sich auf Blake zu stürzen. Der hat mittlerweile die Granate mit seiner freien Hand gefangen, ohne die Pistole loszulassen.

293
Pincer gelingt es in dem folgenden Handgemenge, Blake Waffe zu fassen zu kriegen. Der holt mit der anderen Hand, in der er noch die Granate hält, zum Schlag aus.

294
Er trifft Joe mit der Granate am Kinn. Der stürzt halb betäubt zwei Meter vor Blake zu Boden. Bei dem Schlag stellt sich die Handgranate als Tischfeuerzeug heraus.

295
Blake richtet die Waffe auf den am Boden Liegenden. Das brennende Feuerzeug hält er in der erhobenen Linken.
Blake: Okay, du hast es nicht anders gewollt.
Pincer: Mach keinen Quatsch, Blake! Oder du kannst die halbe Million abschreiben.

296
Im Augenblick, in dem er abdrücken will, verbrennt sich Blake die Finger an der Flamme des Feuerzeugs. Er läßt es fallen.
Blake: Autsch!

297
Pincer kann diesen kurzen Moment nutzen, um sich hinter einem Stapel Verschalungsbretter in Sicherheit zu bringen. Die Schüsse, die Blake hinter ihm abfeuert, verfehlen ihn.
Blake: Fahr zur Hölle!

298
Blake hebt den Recorder auf und geht vorsichtig mit vorgehaltener Waffe um den Stapel herum.
Blake: Pincer, mein Angebot gilt noch. Hörst du? Ich biete dir dein Leben und 40 Prozent von der halben Million!

299
Die Waffe weit von sich gestreckt biegt Blake mit einem Sprung um die Ecke des fast mannshohen Bretterstapels. Kein Joe Pincer.

300
Bevor er sich von seiner Überraschung erholen kann, wirft Pincer, der sich hinter einen Stützpfeiler an der Außenseite des Gebäudes geklammert hat, blitzschnell ein Klammereisen auf den FBI-Mann. Der dreht in diesem Augenblick den Kopf in seine Richtung und löst dabei die linke Hand von der Waffe, die aber weiterhin in die Richtung zeigt, wo Blake den Privatdetektiv vermutete.

301
Das Eisen nagelt Blakes Ärmel und rechte Hand an ein senkrecht stehendes Verschalungsbrett. Blake läßt die Pistole fallen.

302
Als Pincer sich auf seinen Kontrahenten stürzt, schlüpft dieser aus seinem Mantel und entflieht.

303
Während Joe sich nach der Waffe bückt, die Blake fallen ließ, hat der Flüchtende schon wertvolle Meter gewonnen.

304
Blake erreicht so rechtzeitig den Transportaufzug, daß er schon fast verschwunden ist, als Pincer an dieser Seite des Stockwerks anlangt.
Pincer: Halt sofort den Lift an!
Blake: Für wie blöd hältst du mich eigentlich?

305
Joe springt hinter dem abwärtsfahrenden Fahrstuhl her.
Pincer: Glaub nicht, daß du mir so entkommst!

306
Er landet auf dem vergitterten Dach des Transportlifts.

307
Die beiden Männer schweben in und auf dem Transportlift langsam zum Erdgeschoß hinab. Pincer richtet die Waffe auf den Staatspolizisten.
Blake: Du wirst doch nicht auf einen FBI-Mann schießen?! Dafür sperren sie dich 30 Jahre ein!

308
Als der Lift drei Meter über dem Boden ist, springt Blake ab.
Blake: Über das Geld reden wir beim nächsten mal!

309
Pincer muß warten, bis der Aufzug den Boden erreicht hat, wenn er sich nicht alle Knochen brechen will. Blake hat schon fast seinen Wagen, der in der Nähe geparkt ist, erreicht.
Pincer: Bleib stehen, und wir reden sofort darüber!

310
Blake steigt in den Wagen, während Pincer vom Dach des Transportlifts klettert..
Blake: Heute bist du im Vorteil. Beim nächsten mal sieht das anders aus!

312
Der Privatdetektiv rennt auf das Auto zu, während Blake den Motor startet.

313
Joe muß sich mit einem Hechtsprung retten, als die dunkle Limousine des FBI-Manns in voller Fahrt das Weite sucht.

314
Blake lenkt seinen Wagen auf den Highway. Pincer biegt gerade um die Ecke des Rohbaus.

315
Auf der belebten Straße beginnt nun eine halsbrecheische Verfolgungsjagd. Pincer versucht, den Vorsprung des korrupten Beamten aufzuholen.

316
Beim Versuch, einen Mercedes auf dem Standsteifen zu überholen, verliert Pincer beinahe die Kontrolle über sein Fahrzeug.

317
Dennoch kann er zu Blake aufschließen, als der hinter zwei nebeneinander fahrenden Trucks hängt, die er nicht überholen kann, .

318
Zwischen den Schwertransportern entsteht eine Lücke, als der linke Truck etwas nach links zieht. Pincer fährt zu seinem Vordermann auf.

319
Er schiebt den Wagen seines Vordermanns in die Lücke zwischen den beiden Trucks.

320
Als er den Überholvorgang abgeschlossen hat, zieht der linke Truck nach rechts. Blake ist eingeschlossen.

321
Die dunkle Limousine wird wie in einer Schrottpresse zusammengedrückt. Das Reiben des Metalls der Fahrzeuge verursacht einen Funkenregen. Beim Aufprall auf Blakes Limousine wird auch Pincers Wagen beschädigt.

322
Blakes Wagen wird in hohem Bogen von der Fahrbahn geschleudert. Auch der Wagen des Privatdetektivs schlittert quer über die Gegenspur. Die entgegenkommenden Fahrzeuge können ihm nur mit größter Mühe ausweichen.

323
Joe bringt seinen Wagen mit kreischenden Bremsen neben der Straße zum Stehen. Wenige Meter von ihm entfernt landet Blakes Limousine auf dem Dach.


324
Blake wird auf einer Trage an Pincer vorbeigetragen. Der hält den Cassettenrecorder hoch, den er dem FBI-Beamten abgenommen hat. Im Hintergrund sieht man die verunglückten Fahrzeuge. Blakes Limousine ist nicht mehr sehr ansehnlich. Pincers Wagen ist nur an der Seite etwas eingedrückt und an der Stoßstange und der Motorhaube verbeult. Polizeifahrzeuge, Krankenwagen, Polizisten, Pfleger und Schaulustige vervollständigen das Bild.
Pincer: Ich hab meinen Recorder wieder. Ach übrigens, ich habe nicht die leiseste Ahnung, wo Liam das Geld versteckt hat.


325
Lylas rosa Cadillac fährt durch die neonbeleuchtete Innenstadt.
Lyla Lee: Ich darf Sie ja nur begleiten, weil man Ihnen den Führerschein entzogen hat und Sie einen Fahrer brauchen.

326
Joe Pincer sitzt auf dem Nebensitz und lädt seinen Revolver.
Pincer: Ich hätte auch ein Taxi nehmen können!

327
Lyla ist noch nicht überzeugt.
Lyla Lee: Soweit ich Ihre Finanzen überschaue, können Sie sich gar kein Taxi leisten. Glauben Sie übrigens, daß Sie dieses Ding wirklich brauchen?

328
Sie biegen in eine Seitenstraße ein. Die Häuser sind, soweit man das nachts sehen kann, alt, aber in gutem Zustand. Eine Wohngegend der Mittelklasse.
Pincer: Ach, bedauern Sie jetzt doch, mitgekommen zu sein? Halten Sie dort rechts, hinter dem Hydranten.


329
Der Detektiv und seine Sekretärin stehen vor einer verschlossenen Wohnungstür.
Pincer: Klingeln Sie noch mal. Sie hat sich vielleicht schon hingelegt.
Lyla Lee: Es ist doch noch gar nicht so spät. Ah, ich höre etwas.

330
Marny Jackwill öffnet die Tür.
Marny: Hallo Joe, komm doch rein. Ist das deine neue Sekretärin?

331
Sie gehen durch den Flur ins Wohnzimmer. Marny und Joe haben keinen Blick für die ihnen bekannten Örtlichkeiten, Lyla schaut sich die Regale mit Schiffsmodellen, die den Flur fast blockieren, interessiert an.
Marny: Hast du etwas über Liams Tod herausgefunden, Joe?
Pincer: Es haben sich im Laufe der Ermittlung einige Fragen ergeben. Du bist allein?

332
Joe und Lyla setzen sich auf das Sofa. Marny geht zur Hausbar.
Marny: Joanna Ripley ist vor ein paar Minuten gegangen. Ihr müßt sie grade verpaßt haben. Trinken Sie auch einen Bourbon, Miss Lee, oder lieber einen Pfefferminzlikör?
Lyla Lee: Danke, nein. Ich trinke lieber nichts.

333
Marny reicht Joe einen Bourbon, während sie selber dem Pfefferminzlikör zuspricht.
Pincer: Wie wir mittlerweile wissen, war Liam im Besitz von einer halben Million Dollar. Alles Falschgeld. Hast du eine Vorstellung, wo das Geld abgeblieben sein könnte?

334
Marny setzt sich in den Sessel gegenüber dem Sofa.
Marny: Eine halbe Million? Das muß ja ein ganzer Kofffer voll sein? Also, ich hab das Geld nicht gesehen. Das habe ich auch diesem FBI-Beamten gesagt.

335
Joe schaut sich im Raum um. Alles sieht noch so aus wie bei seinem ersten Besuch.
Pincer: Und er hat deine Wohnung nicht auf den Kopf gestellt? Das wundert mich aber.
Marny: Ich habe ihm von dem Koffer erzählt, den Liam dir gegeben hat.

336
Pincer schaut verblüfft.
Pincer: Aber das war doch schon vor einem Jahr! Außerdem hab ich das Ding längst zurückgebracht. Weißt du, daß mein Büro deinetwegen jetzt aussieht wie nach dem Erdbeben von 1906?

337
Lyla erhebt sich.
Lyla Lee: Entschuldigen Sie, kann ich mich eben mal... äh.. frisch machen?
Marny: Die zweite Tür links. Das heißt, es ist besser, ich zeige ihnen...

338
Joe hält die Witwe zurück. Die schaut Lyla besorgt nach.
Pincer: Miss Lee findet den Weg sicher allein. Was ich noch fragen wollte: du kanntest doch Lina McLaidlaw, verheiratete Lina Kanew ?
Marny: Nein, das heißt, ja natürlich. Flüchtig eben. So wie ich alle Frauen von Liams Freunden gekannt habe.

339
Marny ist nun offensichtlich nervös.
Pincer: Ich habe mir noch einmal die Polizeiakten von Linas Unfall vor drei Monaten angeschaut. Sie ist mit deinem Wagen verunglückt?
Marny: Ja, ich hab ihn ihr geliehen. Sie wollte Bob in ihrem Landhaus besuchen.

340
Pincer zieht einen Bogen Papier aus der Brusttasche.
Pincer: Und auf dem Weg ist sie in eine Schlucht gestürzt. Ich habe hier das Ergebnis der polizeitechnischen Untersuchung. Der Bremsschlauch war abgerissen. Du bist kurz zuvor mit dem Wagen gefahren, und da ist dir nichts aufgefallen?

341
Marny antwortet nicht.
Pincer: Eines steht allerdings nicht im Polizeibericht. Und das spielt auch in unserem Fall eine Rolle. Liam hat nie etwas von deinem Verhältnis mit Bob geahnt?

342
Pincer erwartet gar keine Antwort.
Pincer: Wer hat eigentlich auf ihn geschossen, du oder Bob Kanew? Nein, wie ich dich kenne, hast du dir diesen Triumph nicht entgehen lassen. Liam war sicher sehr überrascht, als du ihm die Pistole auf die Brust gesetzt hast!

343
Marny starrt wie versteinert zur Tür.
Pincer: Was hast du mit der Pistole gemacht, Marny? Ich weiß nicht, was meine Sekretärin alles in deinem Schlafzimmer finden wird... Was ist los?

344
Bob Kanew, in dem wir den Nachbar von Eddie Duane wiedererkennen, schiebt Lyla vor sich her ins Wohnzimmer. Mit dem linken Arm hält er sie um den Hals gepackt, mit der rechten Hand drückt er ihr ein Messer an die Kehle.
Bob: Ihre Sekretärin war etwas zu neugierig, Pincer. Wenn Sie sie unbeschädigt zurückhaben wollen, legen Sie besser Ihren Revolver ganz vorsichtig auf den Boden!

345
Bob steht etwa einen Meter von der Tür entfernt im Zimmer. Joe ist aufgestanden und hat seinen Revolver auf den Geiselnehmer gerichtet. Marny drückt sich seitlich hinter ihren Sessel.
Marny: Joe, tu bitte, was er sagt!

346
Pincer geht auf Bob und Lyla zu.
Pincer: Was haben Sie vor, Bob? Wenn Sie meine Sekretärin töten, müssen Sie mich auch umbringen. Und dann habe ich lieber einen Revolver in der Hand.

347
Lyla: Sie hören doch, was Mr. Kanew sagt. Lassen Sie die Waffe fallen!
Pincer: Damit er uns beide damit erschießt? Außerdem: eine neue Sekretärin bekomme ich leichter als einen neuen Revolver!

348
Pincer hat sich unvorsichtig nah an Lyla und den Geiselnehmer herangewagt. Nun tritt ihm Lyla mit voller Wucht in den Unterleib. Joe krümmt sich vor Schmerzen.
Pincer: Aaaahh!

349
Kanew und Marny starren erstaunt auf den wimmernden Detektiv, der langsam zu Boden sinkt. Bob nimmt dabei das Messer einige Zentimeter von Lylas Hals.
Marny: Mein Gott!

350
Diesen kurzen Augenblick der Verblüffung nutzt Lyla, um Kanew im gekonnten Schulterwurf aufs Parkett des Wohnzimmer zu legen.

351
Sie hebt den Revolver und das Messer, das Bob bei seinem Sturz fallen ließ, auf und hält das Liebespaar in Schach. Pincer sitzt immer noch am Boden, lehnt sich gegen das Sofa und schnappt nach Luft.
Lyla Lee: Hände hoch, und keine Faxen! Sie haben gesehen, daß ich sehr nachtragend sein kann.


352
Ein kleiner Hafen für Segelboote. Joe Pincer und Lyla Lee stehen an Bord einer Jolle mit dem schönen Namen "Marny", zwei uniformierte Beamte warten am Kai. Brad Pampers kommt gerade mit einer großen Reisetasche aus der Kajüte.
Pampers: Volltreffer. Wie seid ihr darauf gekommen, daß Liam die Blüten hier versteckt hat?

353
Trotz des unbestimmten "ihr" fühlt Lyla sich angesprochen.
Lyla Lee: Fragen Sie lieber, wie viele Telefonanrufe ich machen mußte, bis ich den Kahn gefunden hatte. Niemand wußte, daß Jackwill außer seinen Modellschiffen auch ein richtiges Boot besaß.

354
Pampers geht mit der Tasche zu dem Polizeiwagen, der unweit des Kais geparkt ist. Joe geht zwei Schritte hinter ihm. Lyla muß ohne die Hilfe eines Kavaliers von Bord klettern. Pampers wendet den Kopf zu Lyla.
Pampers: Lyla, wenn Joe Sie einmal rausschmeißt, kommen Sie zu mir. Bei uns hätten Sie eine große Zukunft.
Pincer: Untersteh dich! Du hast mir schon einmal eine Sekretärin ausgespannt!

355
Lyla hat Joe mittlerweile eingeholt.
Lyla Lee: Hab ich das richtig verstanden? Eine meine Vorgängerinnen ist zur Polizei gegangen?
Pincer: Nicht ganz. Lieutenant Pampers hat sie geheiratet.

356
Lyla fährt ihren Chef in ihrem rosa Cadillac zurück ins Büro.
Lyla Lee: Schade. Die Stelle ist also schon vergeben.

357
Pincer entdeckt plötzlich ungewohnt zärtliche Gefühle für seine Sekretärin. Er versucht zudringlich zu werden.
Pincer: Eine Lebensstellung kann ich nicht bieten. Aber wenn Sie einsam sind, kommen Sie doch zu mir.

358
Lyla zieht den Cadillac so scharf in eine Linkskurve, daß Pincer gegen die rechte Wagentür geschleudert wird.
Lyla Lee: Ich fürchte, daß Sie sich nach den gestrigen Strapazen da ein bißchen übernehmen! Wohin fahren wir, Chef? Ins Büro?

359
Der Cadillac fährt nicht in den roten Sonnenuntegang, sondern wühlt sich in den brausenden Stadtverkehr.
Pincer: Ins Büro!

360
Totale einer Straßenkreuzung. Der rosa Cadillac verschwindet als bunter Punkt zwischen all dem anderen bunten Metall der heimfahrenden Autos.


ENDE